John Maus – We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves

Spätestens mit seinem nun vorliegenden dritten Album namens “We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves” beweist John Maus, dass, sollte jemand eine dystopische, absurd tragische Komikoperette in Auftrag geben wollen, er der richtige Ansprechpartner wäre. Synthesizer, Bass, Drum und Maus‘ Gesang verbinden sich auf „Pitiless Censors“ zu einer ausgenommen intensiven, aber doch spröden und…

Bon Iver – Bon Iver

Es war wohl wieder ein guter Winter für Justin Vernon. Allerdings gibt es, als einer der Brennpunkte des Pop-Universums, wohl kaum eine Saison, die nicht einträglich ist. Bon Ivers zweites – selbstbetiteltes – Album vermag durchaus unterschiedliche Reaktionen auszulösen. Einerseits wirkt es grandios, vielleicht gar größer als „For Emma, Forever Ago“, dann provoziert es aber…

Chilly Gonzales – The Unspeakable Chilly Gonzales

Gonzales hat einen neuen Spitznamen. Er – Chilly Gonzales – ist jetzt „der Unaussprechliche“. Der Rap- und Klavierzauberer fläzt sich auf dem Cover seines neuen Albums – „The Unspeakable Chilly Gonzales“ – in Bademantel und Filzpuschen auf seiner Chaiselongue – der Welt.

Drake – Take Care

Zu welchem Zeitpunkt war eigentlich abzusehen, dass Pitchfork und andere Medien im Jahr 2011 R’n’B zum neuen „Indie“-Hype erheben würden? War es erst mit The Weeknds „House Of Balloons“ klar oder wurde es bereits in der Jahresvorschau angekündigt? Eine dritte Frage ist: Ist die Sau namens R’n’B damit geschlachtet oder wird sie auch 2012 noch…

Alva Noto & Ryuichi Sakamoto – Summvs

Alva Noto und Ryuichi Sakamoto präsentieren mit „summvs“ bereits ihre fünfte Kooperation, eine Zusammenarbeit, die im Jahr 2002 mit „vrioon“ begann. Während Carsten Nicolai alias Alva Noto zuletzt mit seiner Kooperation mit Blixa Bargeld Aufsehen erregte, versah sich Ryuichi Sakamoto auf „Playing The Piano“ darauf Klavier zu spielen. In letzter Konsequenz sind aber Nicoali und…

Ada – Meine Zarten Pfoten

Es ist nicht ganz klar, was mehr beeindruckt: Ada – aka Michaela Dippel – mit ihrem Album „Meine Zarten Pfoten“, oder doch eher ihr Label (DJ Kozes Pampa Records), das mit dieser Platte nach Isolée und Robag Wruhme bereits das dritte (kleine) Albumhighlight des Jahres veröffentlicht. Es wäre falsch, alle drei Künstler in eine Genre-Schublade…

Lady Gaga – Born This Way

Niemand hat es in den letzten drei Jahren so verstanden, die Klaviatur des Pop zu bedienen, wie Stefani Joanne Angelina Germanotta. Die 25jährige hat wieder ins Bewusstsein gerufen, dass Pop eben mehr ist oder mehr sein kann als bloß Musik. In der Geschichte des Rock schadete es noch nie, wenn zur Musik auch ein Maß…

Deadbeat – Drawn & Quartered

Es flirrt und flimmert in den ersten zwei Minuten auf Scott Monteiths Album „Drawn & Quartered“, das der inzwischen in Berlin wohnende Kanadier unter seinem Moniker Deadbeat und auf seinem neuen Label BLKRTZ veröffentlicht. Vier Viertel und ein zusätzliches Plateau-Quartier lang präsentiert er uns hier gerädert und gevierteilt seine Vision von Dub, Dubtronica und Dub-Techno.

Ricardo Villalobos And Max Loderbauer – Re: ECM

Ricardo Villalobos und Max Loderbauer bestätigen in ihren begleitenden Äußerungen zum Album „Re: ECM“ jeden der Geek-Witze, die über Hörer und Sammler von auf dem Münchner Label ECM erscheinenden Alben gemacht werden. Ihre musiktheoretischen und popphilosophischen Darlegungen bedienen unbedingt jedes Klischee, wie sie auch im Jahr 2011 noch in den popmusikalischen Medien transportiert werden. Allerdings…

Kaiser Chiefs – The Future Is Medieval

„Mach dein eigenes Kaiser-Chiefs-Album und verkauf‘ es.“ Unter diesem Motto stellten die Kaiser Chiefs um Ricky Wilson in den letzten Monaten auf http://www.kaiserchiefs.com zwanzig neue Songs vor. Dreizehn davon finden sich nun auf „The Future Is Medieval“ wieder. Der Albumtitel mag dabei durchaus als programmatisch verstanden werden. Zwar findet sich Spätmittelalterliches oder Frühneuzeitliches erst in…

Uphill Racer – How It Feels To Find There’s More

Oliver Lichtl, der Uphill Racer, präsentiert auf seinem vierten Album eine Sammlung von sechzehn atmosphärischen indietronischen Kleinoden. Unterstützt von fünfzehn verschiedenen Sängern – darunter Karo, Aydo Abay, Chris Neuburger und Betty Mugler – schafft er nahezu perfekte Schönheiten, intensiv harmonische Indiepop-Songs fast ohne jeden Makel. Sicherlich in hohem Maße inspiriert von Weilheim’schen Klangwelten aus dem…

autoKratz – Self Help For Beginners

Mit neuen Alben von Digitalism und Justice am Horizont scheint es so, als sei der Nu-Rave-Hype doch noch nicht tot. Die Vorhut der Untoten beziehungsweise des Wiederauflebens einer großartigen Party-Musik bilden Autokratz mit ihrem zweiten Album „Self Help For Beginners“. Zwischen Stone Roses oder Joy Division einerseits und Daft Punk oder Underworld andererseits eingeordnet, hauen…

No Surrender – Medicine Babies

Wenn Post-Punk auf HipHop trifft, kann vieles passieren, ebenso, wenn New York und Europa zusammenwirken. Produziert von Radioclit (aka zwei Drittel von The Very Best) und Tricky-Kooperationspartnerin Constanze Francavilla sowie unter Mitwirkung von Tunde Adebimpe (TV On The Radio) entstanden, präsentieren No Surrender dieser Tage ihr zweites Album „Medicine Babies“. HipHop und Electro finden sich…

Various – The Jam Files – Past Present Future

Peppermint Jam Records wird volljährig. Für jene Menschen, die nicht sofort erkennen, wer oder was sich hinter Peppermint Jam Records – dem laut Werbung legendären deutschen Houselabel – verbirgt, sei kurz angemerkt: es handelt sich um Mousse Ts Label, das uns solche Hits wie „Horny“ oder „Sex Bomb“ beschert hat. Den 18. Geburtstag feiern Mousse…

VVV – Across The Sea

VVVs Debütalbum „Across The Sea“ kann als Punkt hinter dem Bass-Jahr 2011 gesehen werden, einem Jahr, in dem Bassmusik vieles war: wonky oder crunky am HipHop orientiert, technoid oder housig, Rave und Acid, soulig, experimentell, perkussiv, purer Bass, emotional, unterkühlt, synthetisch, analog, eletronisch verspielt oder minimal effektiv. Selten aber waren die Alben und die Künstler…

SBTRKT – SBTRKT

Zweitausendelf. Das Jahr in dem Dubstep über Poststep hinausging und Popstep wurde. Irgendwo zwischen Boxcutters Entwürfen und Jamie Woons Stepsoul ordnet sich auch SBTRKTs selbstbetiteltes Debütalbum ein. Wunderschön und doch irgendwie unspannend entfalten sich die elf Tracks des Albums. Tief verwurzelt im UK-Garage, in der britischen Bassmusik zehrt die Musik aus verschiedenen Quellen. Neben zeitgemäßem…

Agnès presents Cavalier – A Million Horses

Machen wir es Agnés aka Cavalier gleich und fallen mit der Tür ins Haus. „A Million Horses“ bietet technoiden Minimalismus voller housiger Wärme und immer mit einem gewissen bassintensiven Dubambiente. Ja, das entspricht den Infos des Waschzettels, aber solange dieser Wahres schreibt, muss man ja nicht zwangsweise neue Worte finden.

Marcel Fengler – Berghain 05

Das Ostgut Ton und Berghain haben für die fünfte Ausgabe ihrer Mix-CD-Reihe das Berghain-Urgestein Marcel Fengler herangezogen. Der wiederum gönnt dem Hörer keinerlei Eingewöhnungszeit, sondern legt sofort im vollen Tempo und voller Energie los. Allerdings hält er diese Intensität nicht über die gesamte Überlänge der „Berghain 05“ durch, sondern verliert sich nach zehn Minuten erst…

BLNRB – Welcome to the madhouse

Wenn eine deutsche Kulturinstitution (die Goethe-Institute) eine Reihe Berliner Electromusiker (Gebrüder Teichmann, Modeselektor, Jahcoozi) nach Afrika (genauer: Nairobi) schifft, um dort mit lokalen Musikern zu jammen, lässt sich befürchten, es könnte in einer einseitigen Lehrstunde enden. Natürlich stehen gerade Künstler wie die Teichmanns, Modeselektor und Jahcoozi für eine multikulturelle Offenheit, so dass diese Einseitigkeit eher…

Little Dragon – Ritual Union

„Little Dragon“, das Debüt-Album der gleichnamigen schwedischen Band um Yukimi Nagano, wurde hier im Jahr 2007 als „nett“ bezeichnet. Allerdings schwang in dieser Beschreibung durchaus eine gewisse Begeisterung mit, die über ein „Ja, nett“ hinausging. Dennoch wurde der Nachfolger „Machine Dreams“ nicht zuletzt aufgrund einer implizierten Unscheinbarkeit ignoriert und schaffte es nicht einmal in die…