Kaiser Chiefs – The Future Is Medieval

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„Mach dein eigenes Kaiser-Chiefs-Album und verkauf‘ es.“ Unter diesem Motto stellten die Kaiser Chiefs um Ricky Wilson in den letzten Monaten auf www.kaiserchiefs.com zwanzig neue Songs vor. Dreizehn davon finden sich nun auf „The Future Is Medieval“ wieder. Der Albumtitel mag dabei durchaus als programmatisch verstanden werden. Zwar findet sich Spätmittelalterliches oder Frühneuzeitliches erst in den unnötig angeravten Pseudo-Cembalo-Klängen des Hidden Tracks, aber auch davor ist die nahe Zukunft in Form des Hörens des Albums ausgesprochen rückwärtsgewandt auf fünfzig Jahre Popmusik.

Im Laufe des Albums werden wir unter anderem den Beatles, Morrissey, Blur und David Bowie begegnen. In diesem Zitatpop verabschieden sich die Kaiser Chiefs dennoch nicht vollständig von ihrem Trademark-Sound britpoppiger Postpunktanzbarkeit. Allerdings, und das ist vermutlich sogar zu begrüßen, tritt dadurch die Lager-schwangere Mitgröhlmöglichkeit ein gutes Stück in den Hintergrund. Der Bezug auf andere tritt mal mehr, mal weniger deutlich auf. In „Things Change“ vermengen sich die vielfältigen Bezüge von Synthiepop über beatlesken Sound bis hin zu Funk zu einer durchaus fesselnden Mischung, durch die das von Fans geschätzte und von manch anderem inzwischen verfluchte Kaiser-Chiefs-Songwriting immer noch klar durchdringt. Ob der Versuch, Electropop zu machen („Heard It Break“), als gelungen anzusehen ist, darf durchaus kontrovers diskutiert werden. Allgemein dominiert eine Konzentration auf das gesamte Spektrum des Brit-Pop Mitte und Ende der 1990er die vielfältig hergestellten Bezüge. Von Pulp über Blur und Suede bis zu deren rockigeren Epigonen Supergrass und Stereophonics wird hier alles in den Mixer gepackt. Manchmal aber geht die Band einen Schritt weiter. So lässt sie in „Starts With Nothing“ New Order mit The Smiths kollidieren. Das muss man nicht mögen, das mag man sogar unverfroren nennen, aber diese sich durch das Album ziehende Dreistigkeit funktioniert und macht „The Future Is Medieval“ zu einer immer wieder überraschenden und ausgesprochen hörenswerten Platte. Dazu trägt auch die Beatles-Emulation „When All Is Quiet“ gehörig bei. Bei „Child Of The Jago“ stehen ganz einfach nur Pulp Pate, aber „Coming Up For Air“ orientiert sich gar an Bowie’schen Spannungsbögen.

Bei der Ankündigung der Festival-Auftritte der Kaiser Chiefs wurde im Frühjahr dieses Jahres gefragt, wo man diese denn ausgegraben habe. Mit „The Future Is Medieval“ beweisen sie, dass sie auch 2011 noch mehr sind als musikalische Zombies. Ohne ihre Erfolgssingles und sich selbst zu verleugnen, schalten sie hier einen Gang runter und konzentrieren sich darauf, gute Songs zu schreiben – auch in Kauf nehmend, dass die Verkaufszahlen hinter denen ihrer Hits zurückbleiben. Wie sehr ihr Songwriting dabei auf Rezepten anderer Künstler der Vergangenheit beruht, kann kritisiert werden, die Qualität des Albums jedoch gibt den Kaiser Chiefs Recht in ihrem Vorgehen.

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