Ellen Allien – Dust Remixes

Ellen Alliens letztes Album „Dust“ war ein ziemlicher Gemischtwarenladen – sowohl stilistisch als qualitativ. Auch in der Rezeption konnte man sich durchaus streiten: War zum Beispiel „Flashy Flashy“ ein großartiges Highlight oder ein absolut nervtötender Track? Nun, ein Dreivierteljahr später, veröffentlicht Allien auf ihrem Label BPitch Control die Remix-Compilation zum Album. Dies hätte alle positiven Aspekte des Albums betonen können, jedoch wäre eine solche Erwartung wohl reichlich übertrieben. Entsprechend erfüllt „Dust Remixes“ diese auch nicht. Weiterlesen „Ellen Allien – Dust Remixes“

Ellen Allien – Sool

Der Weg nach vorn braucht zunächst einige Schritte zurück – um Anlauf zu nehmen. Ellen Allien präsentiert sich auf „Sool“ nicht nur in der Selbsteinschätzung minimal. Selten folgt ein Album so sehr der Beschreibung des Künstlers / der Künstlerin. Skizzen sollen die Tracks sein, (Vor-)Zeichnungen, die ihre Interaktion mit ihrer Umwelt reflektieren.

Zur Erstellung dieser klanglichen Entwürfe orientiert sie sich ganz offenbar an der experimentellen Elektronik unter anderem der mittleren Neunziger Jahre. So klingt „Bim“ einerseits nach Laub, andererseits aber vor allem absolut unglaublich. Allein für diesen stillen Experimental-Track verneige ich mich vor dem Genie der Berlinerin. Zuvor bringt mich jedoch das Fieldrecording „Einsteigen“ um den Verstand. Was weniger eine negative Aussage ist, als eine Verwirrung ausdrückt, die mich bei jedem Hören dieser U-Bahn-Klanglandschaft erfasst. Nicht zuletzt, weil es bei aller erprobender Charakteristik des Albums, doch in seiner „un“-musikalischen Schlichtheit fast eine Ausnahme bleibt. Nicht zuletzt, weil ihm das eher traditionell minimal elektronische „Caress“ folgt, das zumindest Ellen Alliens Verhaftung im Club erahnen lässt, selbst wenn auch dieser Track eher für die Anlage zuhause produziert wurde.

Zwölf Minuten im Album und ich bin verwirrt, meine Erwartungen sind erfüllt und totale Begeisterung durchströmt mich. Was soll da noch kommen?

Viel. Zunächst das unstetige, seinem Namen vollkommen gerecht werdende „Sprung“. Weit im Hintergrund ein sphärisches Sirren, vorne nur … nennt sich das noch Beat? Das Innere der Musik nach außen gekehrt, unglaublich. „Elphine“ dagegen verströmt wieder Vertrautes, erscheint weniger abstrakt, selbst wenn ein kalter Winterwind es durchweht und der Beat zwischenzeitlich gepfiffen wird. Die kurze Erholung währt jedoch nur kurz. Zurück zu Abstrakt-Experimentellem geht wieder „Zauber“, das mit einem einzelnen – egal ob real eingespielten oder aus der Box kommenden – Holzbläser einen Weg zwischen elektronischem Pop und Klassik sucht, der, um einige Ecken gedacht, durchaus an die Landschaften von Gas aka Wolfgang Voigt erinnert. Sich in den Tiefen von „Zauber“ zu verlieren, fällt leicht. Wiederum zum Niederknien schön.

Nach so viel zauberhafter Schönheit verstört „Its“ aufdringliche Aggressivität. Repetitiv industriell stampft und pocht es voran wie ein Herz auf Speed. Herz und Lunge kommen plötzlich nicht mehr hinterher, Sauerstoff und sauberes Blut werden knapp. Platzangst durchströmt einen, Hyperventilation. Der längste Track des Albums ist in keinster Weise der schwächste, vielleicht ist es sogar einer der kreativ stärksten, doch das von ihm ausgestrahlte simple Chaos befremdet und verwirrt in höchstem Maße. Eine ähnliche Gefühlsregung löst „Ondu“ aus, ist dabei aber sehr viel weniger körperlich unangenehm. Ganz im Gegenteil äußerst angenehm dagegen tritt „Frieda“ auf den Plan. Im Gesamtcharakter wieder ambient, nah bei Gas, prägen es dabei doch die Vocals sowie die Gitarrenklänge, die jedoch beide weniger als solche denn als Teil der atmosphärischen Inszenierung erscheinen. Wie hier zeigt sich die Doppelbödigkeit der Allienschen Skizzen ebenso im klickernd-summenden „MM“ und im abschließenden, alles was „Sool“ ausmacht zusammenfassenden „Out“.

„Sool“. Skizzen großstädtischen Musikschaffens im Winter. Techno in minimaler Ausformung, aber nicht einfach dem Genre Minimal zufallend. Experimentell, verstörend, gelegentlich poppig, immer groß. Löste „Its“ nicht ein so allumfassendes Unwohlsein aus, ein unumstößliches, wenn auch schwer zugängliches Meisterwerk dränge damit in meine Hörgänge.

Melt! 2008 meldet sich …

… und zwar drei Tage von Freitag bis Sonntag oder zwei Tage von Freitag bis Samstag, dann aber ohne den eigentlich Headliner – äh die in. Ich habe keine Worte, deshalb

www.meltfestival.de

Love is in the air“ , sang John Paul Young 1978. 30 Jahre später liegt bei uns tatsächlich Liebe in der Luft. Die diesjährigen Bestätigungen liegen uns sehr am Herzen. Somit schien es uns nur angemessen, den heutigen Valentinstag als Anlass zu nehmen, um die ersten Acts für 2008 zu verkünden.

Eins nur noch voraus: Wie unsere neue Website bereits zeigt, wird dieses Jahr alles anders, besser, schöner und tatsächlich sogar sensationell. Letzteres liegt daran, dass wir eine unserer großen musikalischen Lieben für eine exklusive Deutschlandshow gewinnen konnten. Die Rede ist von niemand anderen als der Lady im Schwanendress, der höchstwahrscheinlich extravagantesten und spannendsten Popkünstlerin unserer Zeit: 2008 besucht uns tatsächlich Björk auf dem Melt! Mit einer Entourage von rund 15 Musikern wird sie unsere Hauptbühne in eine verschroben-schöne audiovisuelle Märchenlandschaft verwandeln – und zwar am Sonntag. Ganz Recht, Björk ist uns einen extra Tag wert, so dass wir den Sonntag noch ans Melt!-Wochenende dranhängen. Im Ernst: Wir können es kaum erwarten!

Und die Pop-Queen ist nur der Anfang. Die Künstlerin zieht einen ganzen Schwanz an weiteren Highlights nach sich: Auch die Frontsurfer der UK-Welle, Franz Ferdinand, performen dieses Jahr deutschlandexklusiv auf dem Melt! und werden dort erstmals neue Songs vorstellen. Und auch die Editors sind nach einem Jahr Pause dieses Mal wieder mit am Start und versprechen uns ein unverwechelbares Festival-Erlebnis mit viel Melancholie und Pathos.

Insgesamt liest sich unser Line-up bisher so:

Björk* // Franz Ferdinand* // Editors // Turbostaat // Booka Shade* // Alter Ego // Miss Kittin & The Hacker (live)* // Boys Noize // The Mitchell Brothers // Efdemin // Kissy Sell Out (live) // Uffie & Feadz // Len Faki // The Teenagers // Die Türen // Kompakt Label-Special: Supermayer (live) // Burger/Voigt (live) // Gui Boratto // Tobias Thomas** // Bpitch Label-Special: Modeselektor (live) // Ellen Allien // Sascha Funke // Tomas Andersson // Man Recordings: Crookers // Daniel Haaksman u.v.a. tba**

* einzige Show in Deutschland 2008 ** einziger Festivalauftritt in Deutschland 2008
Die verschiedenen Tickets sind wie folgt im Angebot:
Karten gibts bei allen bekannten Vorverkaufsstellen ab EUR 45 (je zzgl. Gebühren).
Tagesticket Björk + 4 weitere Acts tba (So. 20. Juli 2008): EUR 45 zzgl. Gebühren
2-Tage-Ticket (Fr. 18. & Sa. 19. Juli 2008 (+ gratis Sleepless Floor am Sonntag 20. Juli 2008): EUR 65 zzgl. Gebühren
3-Tage-Ticket inkl. Björk & 4 weiteren Acts tba (Fr. 18. & Sa. 19. & So. 20. Juli 2008): EUR 85 zzgl. Gebühren
Frühbucher aufgepasst: Alle, die ihr Ticket bis zum heutigen 14. Februar gekauft haben, können ihr Ticket vor Ort für nur EUR 20 in ein 3-Tages-Ticket inkl. Björk umtauschen! (Nur mit Vorabregistrierung über info@meltfestival.de).

Weitere Bestätigungen sind in Mache!

… ich wollte doch nicht hin!