Chilly Gonzales – The Unspeakable Chilly Gonzales

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Gonzales hat einen neuen Spitznamen. Er – Chilly Gonzales – ist jetzt „der Unaussprechliche“. Der Rap- und Klavierzauberer fläzt sich auf dem Cover seines neuen Albums – „The Unspeakable Chilly Gonzales“ – in Bademantel und Filzpuschen auf seiner Chaiselongue – der Welt.

Auf „The Unspeakable“ greift Jason „Gonzales“ Beck zurück auf den Ursprung seines Alter Egos. Nach Solo-Klavier- und Pop-Album sowie dem 2010er „Ivory Tower“ präsentiert er sich hier wieder als Superrap-Gangster, als größenwahnsinniger Pate oder gar wortwörtlicher Gottvater. Über ein – von ihm und seinem Bruder komponiertes – Orchesterwerk legen sich Jason Becks Raps, die ebenso viel von Snoop Dogg haben, wie sie einfach nur Spoken-Word-Vorstellung sind. Die Texte sind dabei größenwahnsinnig, wie es sich für das Genre gehört, und gleichzeitig selbstreflexiv und -dissend.

Gonzos Raps sind dabei so erfrischend und hörenswert wie auf „Gonzales Über Alles“, das inzwischen auch schon elf Jahre alt ist. Für seine Selbstgespräche ist es im Grunde egal, ob er sie zum Klavier, über Beats oder – wie eben hier – über orchestrale Filmscores präsentiert. Den Reiz des „Unspeakable“ aber macht tatsächlich gerade die – im Größenwahn – den Raps qualitativ in nichts nachstehende musikalische Umgebung aus.

Seien es die dramatischen Bläser und Pauken des eröffnenden „Supervillain Music“, die Tschaikowsky’sche Spieluhrmusik von „Self Portrait“, die orientalischen Beats, die doch vom Orchester stammen in „Party In My Mind“ (und ähnlich beeindruckend im grandiosen „Bongo Monologue“), sie könnten einen fantastischen Soundtrack ergeben und akzentuieren hier in Perfektion Chilly Gonzales‘ Vokaleskapaden. In „Different Kind Of Prostitute“ wiederum setzen die Beck-Brüder Streicherarrangements, die den Mund offen stehen lassen, während „Rap Race“ beispielhaft für die Vielfalt des Albums stehen mag, für die grandiose Variationsbreite, die von Thriller über Romanze bis Western und Mafiafilm reicht, die ebenso als Motiv einer Serie taugt wie als Untermalung des Finales eines Breitwandepos (nicht nur, aber besonders „Who Wants To Here This“). Zu den besten Momenten des Albums gehört sicher der Gegensatz aus Gonzos Raps und dem Choral in „Beans“, aber das Album auf ein, zwei oder drei Tracks zu reduzieren, wäre ein Fehler, zu sehr begeistert jedes Stück aufs Neue und ganz eigen.

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