Little Dragon – Ritual Union

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„Little Dragon“, das Debüt-Album der gleichnamigen schwedischen Band um Yukimi Nagano, wurde hier im Jahr 2007 als „nett“ bezeichnet. Allerdings schwang in dieser Beschreibung durchaus eine gewisse Begeisterung mit, die über ein „Ja, nett“ hinausging. Dennoch wurde der Nachfolger „Machine Dreams“ nicht zuletzt aufgrund einer implizierten Unscheinbarkeit ignoriert und schaffte es nicht einmal in die „Vergessenen Perlen“ des Jahres 2009. Darin unterscheidet sich dieses Magazin von Damon Albarn, David Sitek, P Diddy oder André 3000, die alle in den letzten Jahren in höchsten Tönen von Little Dragon schwärmten oder mit Yukimi Nagano und ihren Mitstreitern zusammenarbeiteten.

Nun also folgt der Drittling „Ritual Unions“, und er ist … nett … aber erneut in einer „supra-netten“ Art und Weise. Im Zentrum der elf Stücke des neuen Albums steht Yukimis Gesang, dessen poppig-souliger Zauber dem ein oder anderen vom Gorillaz-Album „Plastic Beach“ vertraut sein könnte. Zurückgelehnt und entspannt (Klartext: gechillt) führt Yukimis Stimme uns durch das Album. Selbst in den intensivsten Momenten, die an die elektro-poppige Tanzbarkeit des Vorgängers erinnern, verbleibt ein Gefühl der Ruhe. Da können die Arrangements noch so beschleunigt den Beat vorantreiben, am Ende führt das dennoch kaum zum Tanz. Dabei ist jeder der verwendeten Beats, jedes der Instrumentals eine kleine rhythmische und produktionstechnische Perle. Funkelemente wechselwirken mit klassischem Elektropop, um dann von einer geraden „4 to the floor“-Linie unterwandert zu werden. Die Vielschichtigkeit der perkussiven Elemente macht den verführerischen Charakter des Albums aus. In ihrer Erkundung lässt sich verlieren. Das gilt insbesondere, wenn der Gesang zurückgefahren wird und das Instrumental sich in fast labyrinthischen Verzweigungen entwickelt.

Am Ende bleibt von „Ritual Unions“ sanfter Dance- und Electropop, dessen vordergründige Unscheinbarkeit vielleicht zu effektiv die eigentlichen rhythmischen Qualitäten des Albums verdeckt. So verzaubern Little Dragon voller sommerlicher Entspannung, und ihr drittes Album wird zum Soundtrack der erschöpften Ruhe in hochsommerabendlicher Resthitze.

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