Marcel Fengler – Berghain 05

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Das Ostgut Ton und Berghain haben für die fünfte Ausgabe ihrer Mix-CD-Reihe das Berghain-Urgestein Marcel Fengler herangezogen. Der wiederum gönnt dem Hörer keinerlei Eingewöhnungszeit, sondern legt sofort im vollen Tempo und voller Energie los. Allerdings hält er diese Intensität nicht über die gesamte Überlänge der „Berghain 05“ durch, sondern verliert sich nach zehn Minuten erst einmal in obskur Ambientem, das sich nicht wirklich in den zu Beginn angelegten Fluss einbinden will.

Fenglers Idee für seine Berghain-CD ist ganz klar, die funktionale Seite des Techno auf eine CD zu bannen, den Hörer zu Hause zum Tanzen zu bringen. Zwar findet sich auch Abstrakteres, im Kern dominiert aber doch ein klarer gerader Beat. Die Einfachheit, die Eingängigkeit und das Direkte dieser Inszenierung sorgen für die gute Nebenbeihörbarkeit des Mixes. Andererseits sind sie es aber auch, die bei genauerem Zuhören rasch das Interesse schwinden lassen. Zwar finden sich immer wieder wahre Perlen, den Gesamteindruck aber bestimmen gefällige, aber unspektakuläre Nummern elektronischer Tanzmusik.

Fengler lässt Peter van Hoesen mit dem Mix-exklusiven „Axis Mundi“ hypnotisch-ekstatische Clubatmosphäre erzeugen. Dies gelingt so überragend, dass der Hörer im Grunde gleich zu Beginn sein Urteil fällen möchte. Diese Meinung festigt sich dank der düster pumpenden Tracks von Terrence Dixon und Byetone, deren Beats zwar gelegentlich stolpern mögen, aber nicht ablenken, sondern vielmehr die Stimmung antreiben. Im Übergang zu Tommy Four Sevens „G“ im Regis Remix stellt sich dann Ernüchterung ein. Die Nummer und auch nachfolgende Stücke verlieren sich in wenig spannenden, monotonen Beatschleifen, die in den schlimmsten Momenten sogar uninspiriert wirken. Sowohl Secret Cinemas „Timeless Attitude“ als auch Fenglers eigener Beitrag mögen als Tracks durchaus funktionieren, insbesondere gilt dies für „Timeless Attitude“, aber hier und für diesen Hörer fehlt ihnen das nötige Momentum, um die Aufmerksamkeit zu fesseln.

Zwar schafft es Fengler mit Ratios „Double Feature“, Gerds hypnotischem „Time And Space“ und besonders mit den gebrochenen Step-Rhythmen von Seijis „More Of You“ nicht nur, wieder zu fesseln, sondern sogar wirklich mitzureißen, aber es bleibt ein fader Beigeschmack. Der darf aber nicht verdecken, dass in der von „Think Twice“ von Claude Young und Takasi Nakajima eingeleiteten zweiten Albumhälfte einige wirkliche Hits lauern. Das energetische „001A“ von Puresque ist einer davon, aber noch überzeugender erklingen die schwer stampfenden Beats in Ben Sims „Slow Motion“ und diese gewichtige Tanzbarkeit toppt Vrils „UV“ – vielleicht der Hit auf Fenglers „Berghain 05“. Da muss Fengler uns mit seiner eigenen „Sphinx“ dann einfach nur noch abholen.

Während zu Beginn der stilistische Wechsel die Fahrt aus Fenglers Mix nimmt, sorgt Reagenzs „The Labyrinth“ in seiner verspielt träumerischen, funkigen Zurückgelehntheit für leuchtende Augen. Ähnlich fantastisch beschließen Convexxion aka E.R.P. mit Vapor Pressure den Mix.

Dass ein CD-Mix auf die Dauer von 75 Minuten gen Ende durchaus an Spannung verlieren kann, ist nichts Neues, hier aber kommt die Durststrecke fast gleich zu Beginn und raubt durchaus in gehörigem Maß die Lust weiterzuhören. Aber bei aller Kritik ist Fenglers „Berghain 05“ dennoch ein lohnender und absolut hörenswerter Mix, der vor allem im späteren Verlauf unter den zum Teil vorher unveröffentlichten Stücken mit einigen potentiellen Klassikern aufwartet.

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