Ada – Meine Zarten Pfoten

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Es ist nicht ganz klar, was mehr beeindruckt: Ada – aka Michaela Dippel – mit ihrem Album „Meine Zarten Pfoten“, oder doch eher ihr Label (DJ Kozes Pampa Records), das mit dieser Platte nach Isolée und Robag Wruhme bereits das dritte (kleine) Albumhighlight des Jahres veröffentlicht. Es wäre falsch, alle drei Künstler in eine Genre-Schublade zu stecken, und doch gibt es klare Verknüpfungen zwischen „Well Spent Youth“, „Thora Vukk“ und eben „Meine Zarten Pfoten“.

Alle drei Alben strahlen phasenweise eine fast zärtliche Wärme aus, sind geprägt von einer die Bestandteile der Musik nahezu liebevoll in Szene setzenden Ruhe und einer latenten Melancholie. Natürlich ist auch ihr Ursprung, ihre Verankerung in der elektronischen Tanzmusik eine Verbindung zwischen den Alben; allerdings führt Ada uns im ersten Albumdrittel ziemlich weit weg von diesem Ausgangspunkt. Einen nennenswerten Beat finden wir erst in „The Jazz Singer“. Selbst hier dominiert aber weiter eine sanfte Luftigkeit. Mag dieser Jazz-Sänger auch zur selbstversunkenen Körperbewegung taugen, so ist er doch zuvorderst wunderbar harmonischer Pop. Adas Pop hat dabei sehr viel gelernt von tropisch inspirierten Jazzspielformen, verbindet Karibisches mit latent Jazzigem und umarmenden ambienten Klangflächen. Dies geht selbst im Mittelstück der Platte nicht verloren. Dieser „Intro“ benannte Track spielt subtil mit den Erwartungen, die an elektronische Musik gestellt werden und einer simplen, wohlklingenden Pop-Inszenierung.

Sollte der lineare Trend, der hier in der Intensität der Beats, im Tempo, zu finden ist, tatsächlich beabsichtigtes Stilmittel sein, sollte also die Beschleunigung tatsächlich dazu dienen, „At The Gate“ als mit Brüchen in Tempi und Melodien spielenden Höhepunkt des Albums zu präsentieren, so misslingt dies, bzw. würde gezwungen wirken. Nimmt man diese Tendenz als bloßen Zufall und akzeptiert „Meine Zarten Pfoten“ als eher heterogene – aber nichtsdestotrotz bezaubernde – Songsammlung, so überrascht die treibende Intensität von „At The Gate“, die dauernde Verzweigung des Arrangements, das Poppige, Warme, Mitreißende des Tracks. Erscheint es nur so, oder spielt Ada hier mit Motiven aus Songs der Sterne?

Adas „Meine Zarten Pfoten“ ist geprägt von souliger Wärme, von treibendem, aber geschwindigkeitsreduziertem Funk. Auch das ist vielleicht eine Verbindung zu den anderen in diesem Jahr auf Pampa Records erschienenen Alben. Es beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit so nicht einfach nur eingängig Popsongs präsentiert werden, sondern wie sich aus dieser reinen Gefälligkeit Stücke herausschälen, die nachhorchen lassen, die Spannung erzeugen, gefangen nehmen. Seien es der sphärische Funk von „Happy Birthday“, der einen umspinnende Wohlklang der eröffnenden Luscious-Jackson-Covernummer „Faith“ oder die Quasi-Bossa-Leichtigkeit von „Likely“ – die in ihrer Reprise „2 Likely“ ins Dramatische kippt –, die Stücke überzeugen sofort und werden von da an nur besser.

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