No Surrender – Medicine Babies

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Wenn Post-Punk auf HipHop trifft, kann vieles passieren, ebenso, wenn New York und Europa zusammenwirken. Produziert von Radioclit (aka zwei Drittel von The Very Best) und Tricky-Kooperationspartnerin Constanze Francavilla sowie unter Mitwirkung von Tunde Adebimpe (TV On The Radio) entstanden, präsentieren No Surrender dieser Tage ihr zweites Album „Medicine Babies“. HipHop und Electro finden sich in ihrer Musik, ebenso wie Indie-Rock und Post-Punk und Synthesizerpop. Einerseits könnte daraus ein grandioser Pop-Bastard hervorgehen, andererseits könnte einfach ein ziemlich mittelmäßiges Etwas dabei herauskommen.

Tatsächlich ist letzteres der Fall. Egal ob nur nebenbei konsumiert oder aufmerksam gehört, fehlt den Stücken hier echte Spannung. Überall schlummert potentiell Großes, aber weder Constanza Francavilla noch Radioclit können den Tracks wirklich Nachhaltiges einverleiben. Vollkommen unentschieden pendelt die Platte zwischen Rap, ravigem Electro und Indie verschiedenster Spielart. Raps und Niki Darlings Gesang wirken in „Give It Up“ vollkommen altbacken, was in fatalem Gegensatz zu den Beats steht, die zwar auch nicht übermäßig kreativ erscheinen, aber zumindest effektiv. „Falling Into You“ dagegen erklingt als Synthie-Pop ohne Ecken und Kanten und vor allem de facto ohne Wiedererkennungswert. Da gelingt die schon länger bekannte Nummer „Godda Get It“ zum Höhepunkt, obwohl auch sie durchaus ihre Mängel hat. Aber immerhin werden hier Synthesizer und Raps einigermaßen konsequent und passend zusammengeführt. Als Gegenbeispiel kann sicherlich „Silver Hall“ mit dem Tunde-Adebimpe-Feature genannt werden. Es mag Mixtapes geben, in deren Kontext der Song funktioniert. Im Rahmen des Albums langweilt er und sonst nichts. Nicht ganz so unglücklich gelingt nachfolgend das düstere „Heart“, das jedoch auch nicht auf seine knapp fünf Minuten zu fesseln vermag. Die poppigen Möglichkeiten des Aufeinandertreffens von „Black Music“ und Synthiepop schöpft dagegen „Mountain“ aus und auch bei „Carousel“ geben sich No Surrender alle Mühe, ein funktionierendes Indie-Pop-Stück mit Gorillaz-Appeal zu schaffen.

Alles in allem aber versäumen es No Surrender und Mitstreiter auf „Medicine Babies“, die vielen guten Einzelteile zu einem kohärenten Ganzen zusammenzusetzen. Der marginale Reiz der Stücke und des Albums steht in krassem Gegensatz zu den versammelten Ideen.

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