Alva Noto & Ryuichi Sakamoto – Summvs

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Alva Noto und Ryuichi Sakamoto präsentieren mit „summvs“ bereits ihre fünfte Kooperation, eine Zusammenarbeit, die im Jahr 2002 mit „vrioon“ begann. Während Carsten Nicolai alias Alva Noto zuletzt mit seiner Kooperation mit Blixa Bargeld Aufsehen erregte, versah sich Ryuichi Sakamoto auf „Playing The Piano“ darauf Klavier zu spielen. In letzter Konsequenz sind aber Nicoali und Sakamoto vor allem Pioniere elektronischer Musik.

In den zehn Stücken auf „summvs“ – der Summe der Gegensätze – bringen die beiden Musiker reduzierte, vereinzelte Klavierklänge zusammen mit ebensolchen elektronischen Effekten, treffen die klaren Saitenanschläge von Sakamotos Piano auf pures Rauschen, Fiepen und Pulsieren elektronischer Klangerzeuger. Klanglich werden die Stücke zumeist von den Melodien, den klaren Tönen des Klaviers dominiert. Deren Einsamkeit, ihre klangräumliche Trennung würde jedoch nicht ausreichen, um den Hörer an das Album zu binden. Dazu bedarf es der elektronischen, mal melodischen, mal bloß zischenden, mal treibend pulsierenden Mittel. Die klangliche Dominanz des Klaviers wird akzentuiert, wird erst wirklich intensiv durch die perfekte Platzierung der elektronischen Klanggeber. Tatsächlich ließe sich diese Formulierung auch umkehren, das heißt, die leer erscheinenden, reduzierten Effekte gewinnen ihre Wirkung erst durch den Wohlklang des Klanggebers Klavier.

Man kann „summvs“ vermutlich vorwerfen, ein Teil der präsentierten Konstrukte seien in ähnlicher Form seit den 1970er Jahren in der elektronischen Musik immer wieder vorgefunden worden. Atom TMs „Liedgut“ kommt in den Sinn oder auch die Arbeiten Brian Enos mit Harmonia. Tatsächlich widmen sich Sakamoto und Nicolai hier gleich zweimal „By The River“ von Roedelius, Möbius und Eno. Allerdings ignorierte eine solche Kritik den essentiellen Beitrag, den das Klavierspiel zu „summvs“ beiträgt, und der diesen Experimenten eine weitere Dimension hinzufügt und die Erkundungen elektronischer Klangräume tatsächlich voranbringt. „summvs“ ist keine ganzheitliche Erfahrung, die Stücke funktionieren als eigene Welten. Es ist erstaunlich, wie die Langsamkeit und die Leere, die hier vieles auszeichnen, doch zu fesseln vermögen. Seien es die perlende Schönheit und die Störgeräusche in „reverso“, sei es die bedrohliche Intensität von „halo“, die emotional ergreifende Perfektion von „pionier IOO“ oder die unterkühlte, fast arktische Ödnis von „naono“, diese Stücke faszinieren nicht nur auf der offensichtlichen, rein technischen Ebene.

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