SBTRKT – SBTRKT

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Zweitausendelf. Das Jahr in dem Dubstep über Poststep hinausging und Popstep wurde. Irgendwo zwischen Boxcutters Entwürfen und Jamie Woons Stepsoul ordnet sich auch SBTRKTs selbstbetiteltes Debütalbum ein. Wunderschön und doch irgendwie unspannend entfalten sich die elf Tracks des Albums. Tief verwurzelt im UK-Garage, in der britischen Bassmusik zehrt die Musik aus verschiedenen Quellen. Neben zeitgemäßem Dubstep ist da einerseits der poppige 2Step der ausgehenden 1990er – Artful Dodger kommen in den Sinn – und gleichzeitig finden sich, wie schon bei Jamie Woons Album, US-amerikanische Strömungen des elektronischen Soul wieder, wie sie einerseits in den letzten Jahren immer mal wieder von Kanye West verwendet wurden, wie sie aber vor allem Justin Timberlakes „FutureSex/LoveSounds“ prägten.

So vielfältig der Dubstep der letzten Jahre war, besaß doch Burials ganz persönliche Klangsignatur den größten Einfluss, hallte auf James Blakes diesjähriges Debüt-Album wieder, findet sich bei Jamie Woon und prägt auch hier bei SBTRKT die Stimmung insbesondere der poppigen, vokallastigen Tracks. Seien es „Right Thing To Do“, „Hold On“ oder „Something Goes Right“ – so unterschiedlich die Step-Rhythmen auch inszeniert werden, elektronisch pumpend, perkussiv oder im Sinne einer Jahrmarktspolka, der Bezug zu genannten Künstlern drängt sich unbedingt auf. SBTRKT verbindet den Popappeal mit offensiveren Beats als dies auf Jamie Woons „Mirrorwriting“ der Fall ist und verwendet weitestgehend klarere Strukturen als James Blake. Vielleicht liegt es an dieser Mittelposition, dieser Unentschiedenheit, dass die wirklich guten Tracks in ihrer Gesamtheit ohne großen Eindruck an einem vorbeiziehen. Es ist nicht offenkundig Pop, es ist aber auch nicht eindeutig progressiver Electro. Hinzu kommt, dass manch ein Track auch reichlich seicht, cheesy, altbacken und fast belanglos daherkommt – besonders gilt dies sicherlich für „Pharaohs“ – und sogar geradezu als Füllmaterial bezeichnet werden muss – der Synthesizer-Drum’n’Bass von „Ready Set Loop“. Zum Ende präsentiert SBTRKT mit „Go Bang“ den zweiten – neben „Sanctuary“ – für das Album ganz untypischen Tanzflächenkracher, der mit rollendem Bass, treibenden Beats und atmosphärischen Loops den Beweis antritt, dass SBTRKT mehr kann als einfach nur UK-Garage-Pop produzieren.

Dennoch ist SBTRKTs Debütalbum in jenen Momenten am besten, wenn er komplett den Weg des Popstep beschreitet – seien es die erwähnten „Right Thing To Do“, „Hold On“ und „Something Goes Right“ oder aber auch „Never Never“. Diese kleinen, poppigen Schönheiten sind technisch perfekt inszeniert und gefallen. Ihre Halbwertszeit mag nicht sonderlich lang sein, aber sie taugen zum Sommerhit 2011. Damit ist 2011 vielleicht auch einfach das Jahr, in dem der UK-Garage einfach knapp dreizehn Jahre ausblendet und den 2Step-Pop als Neuigkeit des Jahres verkauft.

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