VVV – Across The Sea

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VVVs Debütalbum „Across The Sea“ kann als Punkt hinter dem Bass-Jahr 2011 gesehen werden, einem Jahr, in dem Bassmusik vieles war: wonky oder crunky am HipHop orientiert, technoid oder housig, Rave und Acid, soulig, experimentell, perkussiv, purer Bass, emotional, unterkühlt, synthetisch, analog, eletronisch verspielt oder minimal effektiv. Selten aber waren die Alben und die Künstler des Genres in diesem Jahr innovativ, wirklich kreativ oder spektakulär. Zu häufig verließen sie sich auf althergebrachte Rezepte, deren Funktionalität für cluborientierte Tracks gesichert ist, aber für Alben allzu häufig nicht genügt.

Entsprechend – und somit typisch für dieses Bassmusikjahr – erklingt VVVs Albumdebüt. Zwischen klassischem Garage, wie er mindestens seit seligen 2Step-Zeiten Ende der 1990er bekannt ist, Ravigem, Pop, Ambient und House findet sich wenig, was dieses Jahr oder im letzten Jahrzehnt nicht schon so ähnlich zu hören war. Nicht nur verwendete Mittel, auch ihre Umsetzung und Aneinanderreihung sind ungefähr so kreativ wie ein neues Album von Coldplay oder U2 – um mal die Genregrenzen zu wechseln. Andererseits ist die technische Umsetzung fehlerlos und die Stücke erklingen vielfach voll poppiger Harmonie. Sie sind die perfekte unauffällige Bassmusik-Untermalung, während der Geist sich mit irgendetwas anderem beschäftigt. Im gleichen Maße wie seine Tracks poppig sind, versucht sich VVV am Schaffen paranoider Atmosphären im Stile von Burial. Auch diesbezüglich stehen technische Perfektion und kopistischer Mangel an Einfällen gegeneinander in der Bewertung des Albums. Gelegentlich jedoch – so zum Beispiel im Albumhighlight „Among The Whispers“ – überrascht VVV, indem er, subtil und tief verborgen im Nachklang des Stücks, geisterhafte Soundeffekte leise, sehr leise, kaum hörbar versteckt, die beim aufmerksamen Hören den Atem verschlagen.

Einerseits finden sich hier also hochglanzpoppige Elemente oder funkig, housig Angehauchtes, die in ihrem Wohlklang zwar schmeicheln, aber nicht fesseln. Zum anderen dominieren verzerrte, verhallte Vocals in Verbindung mit angedubbten Step-Rhythmen und Synthie-Elemente das Album – also all das, was dem Dubstep den Namen gab –, was aber zu selten in seinem Zusammenspiel wirklich funktioniert und zu häufig einfach dröge durchs Ohr schleicht. Auch da gilt wieder, es gefällt, ist aber unspannend. Vielleicht fehlt in VVVs Streben nach Perfektion einfach nur das Emotionale. Dennoch tut es wohl, dass jemand sich talentiert am Aufgreifen Burial’scher Ideen versucht, doch primär zu kopieren hat noch nie wirklich funktioniert. Am Ende scheitern VVV und sein Albumdebüt „Across The Sea“ an zwei Dingen: an zu offensivem Nacheifern und, daraus folgend, daran, dass seine Stücke vom ersten Ton an komplett vertraut klingen. Um falschen Eindrücken vorzubeugen: wenn man diesen klassischen Garage-Klang immer wieder gern hört, ist das Album mehr als einfach nur gut. Wirklich etwas einwenden lässt sich nicht gegen „Across The Sea“. Es nutzt sich halt nur recht schnell ab.

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