John Maus – We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves

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Spätestens mit seinem nun vorliegenden dritten Album namens “We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves” beweist John Maus, dass, sollte jemand eine dystopische, absurd tragische Komikoperette in Auftrag geben wollen, er der richtige Ansprechpartner wäre. Synthesizer, Bass, Drum und Maus‘ Gesang verbinden sich auf „Pitiless Censors“ zu einer ausgenommen intensiven, aber doch spröden und schwer zugänglichen Mischung.

Spielen Bass und Drumbeat zwar eine große Rolle im Gesamtkonstrukt, sind die wirklich wichtigen Teile der den Hörer umspinnenden tragischen Schönheiten auf diesem Album doch eben der Synthesizer und die Stimme. Letztere wiederum – so es denn Maus‘ Gesang ist und nicht nur Backing Vocals – erklingt hinter einem Vorhang aus Klang. Synthesizermelodien lagern wie ein Schleier über allem, verhindern den klaren Zugang und sorgen so doch eben für die ungemeine Faszination dieses düsteren, melodischen Wohlklangs. Diese Harmonie, dies perfekte Zusammenspiel aus Instrumenten, Gesang und Atmosphäre ist das ganz Eigene dieses Albums. Ein intensives Wechselspiel aus Bedrohung und Glück bestimmt „Pitiless Censors“ und macht es so reizvoll.

Die Stücke können als Synthesizerpop natürlich einen gewissen 1980er-Jahre-Charme nicht vermeiden, aber in der stilisierten, dramatischen Künstlichkeit des Vortrags ist dies nicht nur kein Nachteil des Albums, sondern muss sogar als positive Eigenschaft herausgestellt werden. Gleiches gilt für die Tatsache, dass die Stücke in Tempo, Stimmung und Inszenierung doch eher homogen erklingen und die Überraschungen sich eher subtil offenbaren, also tief unter den harmonischen Melodien versteckt sind. Dieser Mangel an offensichtlichen Spannungsmomenten, an offenkundiger Vielfalt wird jedoch durch den Wohlklang und den perfekten Pop-Appeal der Stücke aufgehoben und durch die hintergründige Spannung, die allein schon in Maus‘ Herangehensweise an seine Musik beruht, ins Gegenteil umgekehrt. Die Synth-Pop-Ästhetik in Verbindung mit der beeindruckenden Melodiösität und der absurd theatralischen Tragik machen aus „We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves“ ein begeisterndes Album, das in seiner Gänze als einziges musikalisches Alleinstellungsmerkmal erklingt und auf dem einzelne Höhepunkte herauszuheben fast nicht möglich erscheint.

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