Agnès presents Cavalier – A Million Horses

am

Machen wir es Agnés aka Cavalier gleich und fallen mit der Tür ins Haus. „A Million Horses“ bietet technoiden Minimalismus voller housiger Wärme und immer mit einem gewissen bassintensiven Dubambiente. Ja, das entspricht den Infos des Waschzettels, aber solange dieser Wahres schreibt, muss man ja nicht zwangsweise neue Worte finden.

In dieser treibenden Minimalität des geraden Beats stürmen die Millionen Pferde direkt nach dem Intro auf uns zu. Das ist direkt und funktional, aber zunächst nicht wahnsinnig spannend – wobei so auch die Gesamtheit des Albums beschrieben werden kann: es funktioniert, sehr gut sogar, aber soundtechnisch Spektakuläres klingt anders. Das beweist Cavalier nicht zuletzt selbst im Laufe der Platte. „Marwari (Better Days)“ gehört zu den innovativeren Tracks. Hektisch flirrend und eine ungemeine Spannung erzeugend durchbricht es die reine Tanzflächenorientierung. Zweiter ein bisschen ungewöhnlicherer Höhepunkt des Albums ist sicherlich das nervös zitternde Arrangement von „Umadoshi (Break My Heart)“. Ein stumpf vorwärts marschierender Beat wird durch überraschend einsetzende synthetische Streicher zu einem erstaunlichen Stück elektronischer Tanzmusik. Unter den klar funktionalen Tracks überzeugen besonders „Napoletano“ mit seinen pulsierenden Beats und aufstrebenden Drummustern sowie „Yonaguni“. Die verrauschten, reduzierten Rhythmen von „Kaimanawa“ mögen zwar als ziemlich herkömmlich bezeichnet werden, fesseln aber dennoch in ihrer Intensität. Ähnliches gilt für die unspektakulär schöne House-Ästhetik von „Brumby (Low Pembina)“.

Cavalier gibt sich über 19 Tracks alle Mühe, uns in die nötige Clubatmosphäre zu versetzen, vergisst dabei aber streckenweise den Einsatz eigener kreativer Mittel. Erstaunlich ist dann, dass „A Million Horses“ trotzdem weitgehend funktioniert, wenn man erst einmal über die ersten paar Minuten Durststrecke hinaus ist. Die Rezepte effektiver Clubmusik werden so perfekt angewandt, dass am Ende wirklich wenig ernsthafter Grund zur Beschwerde bleibt.

Advertisements