Mira Calix – The Elephant In The Room

Ob „The Elephant In The Room: 3 Commission“ wirklich ein „wunderbarer Kelch“ ist, wie es Chantal Passamontes Künstlername andeutet? Eine vorläufige Assoziationskette läse sich eher: Mira Calix, Miraculix, Troubadix. Weniger untalentierte Bardin als Ehrfurcht gebietende musikalische Druidin, dürften Mira Calix zweite „3 Commissions“, ihre zweite Sammlung von Auftragsarbeiten, bei nicht wenigen potentiellen Hörern solch vielfältige Symptome auslösen wie Ermüdung, Tinnitus, Kopfschmerzen, Magenkrämpfe und Angstzustände. Avantgarde halt, oder: wenn Laptop-Musiker zu Violine und Cello oder gar ins Orchesterfach wechseln. Fieldrecordings und Streicher gibt Mira Calix stetig rührend hinein in ihren bitteren musikalischen Zaubertrank, der ebenso fasziniert, wie er abstößt und verstört. Weiterlesen „Mira Calix – The Elephant In The Room“

Kelpe – Extraquarium EP

In der Flut der musikalischen Veröffentlichungen ist es ganz natürlich, mal mehr, mal weniger über die beteiligten Künstler zu wissen. Eine solche Unkenntnis lässt sich in der Regel relativ einfach beseitigen. Kritisch wird es – wie im Falle der zu besprechenden Remix-Vinyl-Ep plus Bonus-Downloads –, wenn neben dem Künstler (Kelpe aka Kel Mckeown) auch alle Remixer – Zombie Zombie, Fulgeance, The Oscillation, Wes Coats, Architeq und The Boats – unbekannt sind. Einerseits fordert dieser Fakt eigentlich dazu auf, die Finger von einer Besprechung der EP zu lassen, allerdings bietet sich auch die Chance, den Fokus ganz auf die Musik zu legen. Weiterlesen „Kelpe – Extraquarium EP“

Blevin Blectum – Gular Flutter

Stellen wir uns vor, jemand habe noch nie von Blevin Blectum gehört … dann interessieren ihn wahrscheinlich auch jetzt keine Einzelheiten über gewonnene Preise, erworbene Titel und ihre Ausbildung zur Tierarztassistentin. Konzentrieren wir uns also, nachdem erwähnt sei, dass sie eigentlich Bevin Kelley heißt, und ihr Bruder Kelley Polar ist, auf die Musik.

Das Album „Gular Flutter“ wird düster blubbernd und hektisch flirrend eröffnet von „Real Live Escargot“. Paranoia auslösend und hypnotisch zieht es über fünf Minuten seine Bahnen und bereitet den Weg. Im folgenden „Cygnet“ ziehen sich Schichten über Schichten orientalisch anmutender Klangkonstrukte über einen gedämpften Beat, einen Jungle-Rhythmus. Eine musikalische Schlangengrube, vor der sich Indiana Jones fürchten würde, die den unerschrockenen Hörer jedoch in ungeahnte Sphären entführt. Wie hier manövriert die Künstlerin auch im folgenden – an aufgeschnittene Froschkörper erinnernden – „Foyer Fire“ ihre pulsierenden Synthesizer-Muster haarscharf an der Tanzbarkeit vorbei. Weiterlesen „Blevin Blectum – Gular Flutter“

Gang Gang Dance – Saint Dymphna

New York regiert die Welt. Ein Eindruck, der sich in den 00er Jahren zumindest musikalisch aufdrängt. Allein in überschaubar kurzen Zeiträumen ließen sich als Beleg Yeasayer, Vampire Weekend und Gang Gang Dance anführen, von TV On The Radio ganz zu schweigen.

Das aktuelle Gang-Gang-Dance-Album „Saint Dymphna“ pendelt zwischen den Klassifizierungen „Album des Jahres“ und „Schrott“. Folgerichtig entwickelt es sich zu einer zwiespältigen Angelegenheit. Neben vielen Punkten auf der Habenseite finden sich am gegenüberliegenden Ende der Skala entweder die Adjektive „unfokussiert“ und „fahrig“ oder aber die einzelne Bewertung „verkopft“. Entweder wurde also von den vier New Yorkern zu viel gewollt und nicht klar durchdacht in den Arrangements, oder es soll tatsächlich alles genau so sein, und die Kompositionen verlieren jede Emotionalität durch das übertriebene Planen und Durchführen im musikalisch-kreativen Prozess. Weiterlesen „Gang Gang Dance – Saint Dymphna“

Autechre – Quaristice

Ein Bild einer Reise, gefilmt von Klängen durch Widerstände, Kapazitäten und Ströme, mit quadratischen Zahlkörpern, Faltungen und Distributionen. Alles beginnt an einem ruhigen Strand westlich von Kiel oder auch östlich von Torquay oder gar vor den Toren New Yorks: Leise brechen die abendlichen Wellen. Weiterlesen „Autechre – Quaristice“