autoKratz – Self Help For Beginners

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Mit neuen Alben von Digitalism und Justice am Horizont scheint es so, als sei der Nu-Rave-Hype doch noch nicht tot. Die Vorhut der Untoten beziehungsweise des Wiederauflebens einer großartigen Party-Musik bilden Autokratz mit ihrem zweiten Album „Self Help For Beginners“. Zwischen Stone Roses oder Joy Division einerseits und Daft Punk oder Underworld andererseits eingeordnet, hauen die beiden Londoner ein Album heraus, dem keine Rave-Harmonie zu peinlich ist und die bei aller Qualität der Melodien und aller Effektivität der Beats doch eigentlich keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken sollte. Sie seien „mehr als der nächste Indierave-Hype“, wird gesagt, und gemeint ist doch, dass sie das letzte Mal zu spät waren und dieses Mal zu früh sein dürften.

Klassischer Synthiepop in all seiner melancholischen Schönheit trifft auf „Self Help For Beginners“ auf brachial bolzenden Bass und ebensolche Beats. Selbst wenn die Rhythmen zurückgenommen präsentiert werden, dient dies vor allem der Möglichkeit, den Hörer nachfolgend in die hedonistische Ekstase schießen zu können. Das latent Tragische der Melodien und die Catchyness der Arrangements orientieren sich so eindeutig am Klang von New Order, dass die Mitwirkung von Peter Hook bei „Becoming The Wraith“ kaum überrascht. Da haben sich Topf und Deckel gefunden, nur dass das dem Nährgehalt der Suppe auch nicht hilft. So ist „Becoming The Wraith“ sowohl eine New-Order-Kopie als auch eines der Albumhighlights. Mit „The Gun“ folgt gen Albumende eine weitere New-Order-Nummer.

Je bratziger die Stücke, desto schlechter sind sie, je mehr autoKratz versuchen, reinen Synthiepop zu produzieren, umso besser gelingen die Tracks. Das heißt, je altmodischer ein Stück auf ihrem zweiten Album, desto weniger lässt sich an ihm aussetzen, je mehr jedoch auf den Rave gezielt wird, um so nerviger wird das. Natürlich ist dies zu vereinfachend gedacht. Einerseits ist „My Own Black Heart“ durchaus eher zurückgenommen und dennoch einer der Tiefpunkte der Platte, zum anderen sind die Mittelwerte aus Ravigkeit und düsterem Pop („Opposite Of Love“ und „Fireflies“) so ziemlich das Beste auf „Self Help For Beginners“. In die nervtötende Kategorie fallen dagegen Stücke wie „Last Light“, „The Seventh Seal“ oder – ganz besonders – die Digitalism-Gedächtnisnummer „Skin Machine“. Der Fischerspooner-Abklatsch „Kick“ – mit Primal Screams Andrew Innes – sei gar nicht erwähnt.

autoKratz schaffen auf ihrem zweiten Album einige ganz nette Nummern, auf die die Welt aber trotzdem in keinster Weise gewartet hat. Vor allem aber bringen sie perfekt das ravige Grauen auf den Punkt, der sich doch bitte als schwarzes Loch erweisen möge und sie verschlingen soll.

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