X-Press 2 – Raise Your Hands: The Greatest Hits

am

Zwei Alben, vier Singles, ein Best Of. Was sich erstmal übertrieben und vielleicht sogar lächerlich anhört, macht beim Hören von X-Press 2s „Raise Your Hands: The Greatest Hits“ durchaus Sinn. Vor allem aus Sicht des zentralen Festlandseuropäers ist ein Hit wie „Lazy“, der 2002 das UK unsicher machte, doch eher untergegangen. Dabei hätte nicht nur David Byrne (Talking Heads) am Mikrofon durchaus für Aufmerksamkeit sorgen können. Ergänzt der geneigte Hörer noch einige Underground-Hits der balearischen und amerikanischen Clubszene, fügt sich eine Hits-Sammlung des Projekts um Ashley Beedle, Diesel und Rocky nahtlos zusammen.

Die Qualität der Compilation ist dann auch nicht in Frage zu stellen. Eröffnet erwähntes „Lazy“ noch ziemlich zurückgelehnt, folgt mit dem „London Xpress“ ein klassischer Housetune und vor „Smoke Machine“ wird bei Discogs.com zu Recht gewarnt, falls es durch eine richtig große Anlage gehört werde: „It may literally blow you away.“ Ja. Eine Monsterclubhymne inklusive nervig passender „Diskosirene“.

Auf der zweiten CD dieser Sammlung finden sich Remixe von X-Press-2-Tracks wie auch durch die X-Press-2-Mitglieder produzierte Mixe anderer Künstler. Dieser zweite Teil läuft insgesamt unter der Bezeichnung Licht und Schatten, wobei eher wenig Schatten, viel Mittelmaß und einiges weniges Hervorragendes sich findet. Zu letzterem gehört Radioslaves „Call That Love“ Mix, Norman Cooks „Lazy“-Interpretation und der X-Press-2-Mix von Missy Elliots „We Run This“.

Zurück zur ersten CD verleiht The Musics Rob Harvey „Kill 100“ einen düsteren Wave-Anstrich, während „AC/DC“ housig vor sich hinbollert und am Ende den Big Beat auspackt. Ähnlich eindeutig – aber vielseitiger und mit einem gewissen Old-School-Anstrich – schließt sich „Muzikizum“ an, bevor X-Press 2 zum Überraschungsschlag ausholen. Kurt Wagner von Lambchop verwandelt „Give It“ in einen fantastischen Electro-Soul-Country, den Alabama 3 nicht hätten besser produzieren können. Danach folgt unter anderem mit „Muzik Xpress“ ein weiterer Untergrund-Klassiker und mit „Fire“ ein neuer Track, den Afrika Bambaataa verfeinern darf. Absolut im Heute und irgendwo zwischen Nu Rave, Ghettotech und House.

Der Sinn eines Best Of ist meistens, den bisher unbeleckten Hörer neugierig zu machen (sollte gelingen), dazu wird dann eine vernünftige neue Single draufgepackt (japp) und schon greifen potentielle Fans zu. So gut das auch immer auf Teil eins dieser Compilation funktioniert, so unnötig erscheint doch die Remix-Beilegung. Den Fan wird es freuen, den Zufallskäufer beim Probehören vielleicht abschrecken.

Advertisements