Mugison – Mugiboogie

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Mugison aka Örn Elías Guðmundsson und seinem Album „Mugiboogie“ lassen sich zwei Vorwürfe machen. Erstens, Mugis Sohn will zu viel auf einmal sein, zweitens, er versucht zu perfekt, seinen jeweiligen Vorbildern nachzueifern.

Auf „Mugiboogie“ ist Guðmundsson innerhalb von zwölf Songs Beck, Conor Oberst, Trent Reznor, Josh Homme, Tom Waits und gefühlt noch mehr. Zwölf Songs finden sich, von denen fast alle vollkommen überzeugen, die aber kaum zu unterscheiden sind von dem, was sich auf den Alben erwähnter Künstler finden könnte. Die Vielfalt sorgt natürlich sowohl für Begeisterung als auch für dauernde Überraschungen. „Mugiboogie“ ist eine Wundertüte, in der höchstens die Ausflüge in den Industrial „I’m Alright“ und „Two Thumb Sucking Son Of A Boyo“ als vollkommen misslungen oder zumindest unnötig bezeichnet werden dürfen. (Total-)Ausfälle, die jedoch durch die nachfolgenden Tracks wie z. B. die symphonische Pophymne „The Great Unrest“ abgefedert werden.

Nicht nur hier beweist Mugison, warum er wohlverdient im heimatlichen Island einen solchen Erfolg hat. Perfekter Alternative-Pop, der nicht nur auf einem beliebigen Bright-Eyes-Album gut aufgehoben wäre. Die gleiche Qualität und Schublade erreicht nicht nur das albumbeschließende „Sweetest Melody“. Gleich zu Beginn versucht sich Örn Elías im Titeltrack jedoch erfolgreich als Tom Waits, liefert mit „Pathetic Anthem“ und „Jesus Is A Good Name To Moan“ seine Interpretationen der Queens Of The Stone Age ab oder präsentiert sich in „The Animal“ als den besseren Beck.

Örn Elías Guðmundsson beweist mit „Mugiboogie“ nicht zuletzt, dass das zentraleuropäische Bild isländischer Musik zu kurz greift. Mit der teilweise durchaus wilden Mischung, die das Album präsentiert, versäumt er es doch gleichzeitig, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Natürlich überzeugen hier zehn von zwölf Songs vollkommen, doch verliert Mugison sich zu sehr in Re-Interpretation – um das Wort Kopie nicht zu verwenden – anderer (populärer) Musiker, ohne dabei den Tracks einen eigenen Stempel aufzudrücken. Das ist in gewisser Weise beeindruckend, aber auch ein wenig enttäuschend.

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