Bwana – Capsule’s Pride

Nimm den Soundtrack zu einem Anime und editiere, mixe und verändere ihn so, dass Du ihn Dir zu eigen machst. Was im Regelfall vermutlich eher ziemlich dürftige Ergebnisse hervorbringen wird, gelingt Bwana aka Nathan Micay und resultiert in einer der besten Platten des Jahres 2016. Sein Album “Capsule’s Pride” ist weder Hommage an noch Remix des Soundtracks zu “Akira”, sondern Bwana schafft hier etwas vollkommen Neues, ohne aber den Ursprung des Materials unter den Teppich zu kehren.

Den Bezug zum Original sichern vor allem die immer wieder eingestreuten Vokal-Samples aus Synchronisation oder Urfassung, aber Kenner des Soundtracks finden auch in den Stücken immer wieder Elemente des Originals. Die Dialog-Samples geben den Stücken und dem Album einerseits einen Hauch des Kitschigen, verleihen ihm aber vor allem auch eine zusätzliche Schwere, setzen ihn in einen Kontext, der den Stücken sonst fehlen würde. Auch wenn “Capsule’s Pride” in gewissem Sinn ein Konzeptalbum ist, beeinflusst das Konzept nicht, wie man das Album zu hören hat, oder ob man es genießen kann.

Das Titelstück “The Capsule’s Pride (Bikes)” setzt als Albumeröffnung einerseits die Stimmung und liefert andererseits auch gleich einen der Höhepunkte der Platte. Elliptische Drum-Schleifen, hektisch treibende Beats und vibrierend flimmernde Soundelemente verbreiten eine energiegeladene und doch latent paranoide Atmosphäre. Ebenso intensiv und in seiner hektischen Perkussivität vielleicht noch besser erklingt später “The Colonel’s Mistake, The Scientist’s Regret”. Entspannter und gleichzeitig in ähnlichem Maße intensiv erklingt zum Albumabschluss das fast altmodisch anmutende “Tetsuo’s Dance”

Micays Produktionen als Bwana wechseln auf dieser Platte zwischen House, Ambient und Techno. So Beat-gesteuert die Stücke zum Teil auch sein mögen, steht doch immer die Atmosphäre im Mittelpunkt dank Micays Talent, ambiente Flächen und treibendere Arrangements perfekt miteinander zu verschmelzen.

“Capsule’s Pride”s Qualität ist nicht zuletzt Shoji Yamashiros Ausgangs- und Inspirationsmaterial geschuldet. Aber es braucht dennoch Micays Gespür für das Spiel mit Rhythmen, Klangstrukturen und Klangfarben, um Stücke zu schaffen, die so gefangen nehmen wie zum Beispiel “Nightfall In Neo-Tokyo” oder das unstrukturiert dystopische “Failed Escape (Where You Belong)”. Ebenfalls eher unstrukturiert erscheint zunächst “Akira’s Light”, entwickelt aber schnell eine außergewöhnliche Sogwirkung, die begründet liegt im Wechselspiel aus sphärischen Flächen im Hintergrund und den verschiedenen hektisch rhythmischen Elementen im Vordergrund.

Die Kombination aus Nathan Micays Talent, den Dialogschnipseln aus “Akira” und Shoji Yamashiros Originalsoundtrack machen aus “Capsule’s Pride” eine faszinierende und ungemein unterhaltsame Platte, die am einfachsten als Techno zu klassifizieren ist und doch darüber hinaus geht. Bwanas “Capsule’s Pride” taugt zum intensiven Kopfkino ebenso wie zum entspannten Nebenher-Genießen. Es mag kein großes Meisterwerk sein, es ist aber eine ungemein unterhaltende Platte ohne jedwede Ermüdungstendenzen.

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