Tiga – No Fantasy Required

Dieser Tage erscheinen zwei Alben, die eigentlich schon vor geraumer Zeit hätten erwartet werden können. Einerseits ist da Baauers „Aa“, das vier Jahre nach dem „Harlem Shake“ erscheint. Andererseits ist da Tigas drittes Studioalbum „No Fantasy Required“. Sieben Jahre sind seit dem Vorgänger „Ciao!“ vergangen, und seine umjubelte DJ Kicks erschien bereits 2002.

Es ist viel passiert in der elektronischen Musik in den 2010er Jahren, aber Tiga zeigt sich auf „No Fantasy Required“ wenig beeindruckt davon. Das Album hätte in ähnlicher Form wahrscheinlich auch 2002 funktioniert. Das ließe sich dahingehend lesen, dass Tiga auf dem Melt-Festival eben jenen Jahres hängengeblieben sei. Aber ganz so ist es dann nicht.

„No Fantasy Required“ ist eher ein zeitloses Album. Der präsentierte Electro- oder vornehmlich House-Pop funktioniert heute genauso gut wie in den Hochzeiten des Electroclash und -pop zu Beginn dieses Jahrtausends. Es ist uneingeschränkt unterhaltsam, tanzbar und gut. Vielleicht trägt zum Gewinnen des Albums auch bei, dass es sich so klar kategorisieren lässt, die Songs keine offenkundigen Gemeinsamkeiten haben, außer dass sie geschickt zusammenpassen.

Anteil am Gelingen der Platte haben auch Matthew Dear sowie Jake Shears. Dear half bei einigen Stücken bei der Produktion, Scissor-Sisters-Kopf Shears singt auf „Make Me Fall In Love“. Weitere Zusammenarbeiten entstanden mit Paranoid London und Hudson Mohawke.

Natürlich lassen sich die mindestens idiotischen, im schlimmsten Fall machohaften Texte der Stücke nicht vollkommen ausblenden. Es wäre auch unangebracht, den Machismo dahingehend zu entschuldigen, er gehöre halt zu dieser Musik teilweise dazu. Allerdings lässt sich durchaus argumentieren, der Zweck sei gerade, dies lächerlich zu machen. Aber nicht nur dann lassen sich die Texte zumeist gut ignorieren. Im Kern steht die Musik, und die überzeugt.

Tigas „No Fantasy Required“ ist ein tanzbar poppiges Album, das einfach zum Bewegen einlädt. Es kann durchaus passieren, während die Kopfhörer die Platte ins Ohr lassen, dass man auf der Straße anfängt zu tanzen. Die komischen Blicke der Mitmenschen muss man halt aushalten.

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