Rufus Wainwright – Take All My Loves: 9 Shakespeare Sonnets

Zeitnah zu Shakespeares 400. Todestag veröffentlicht Rufus Wainwright eine Vertonung von neun Shakespeare-Sonnetten unter dem Titel “Take All My Loves”. Zeitnah zum 90. Geburtstag von Königin Elizabeth II posiert Wainwright als Königin Elizabeth I auf dem Cover zu eben dieser Platte.

“Take All My Loves” erscheint auf der Deutschen Grammophon und passt hervorragend zu deren Bemühen, Klassik und Pop zusammenzubringen. Gesang zu Wainwrights Kompositionen steuern unter anderem Florence Welch und Martha Wainwright bei. Zu Musikstücken gesellen sich Rezitationen durch unter anderem William Shatner, Carrie Fisher und Helena Bonham Carter. Insgesamt finden sich sechs reine Rezitationen, acht Gesangsvorträge und zwei Stücke, die Rezitation und Gesang verbinden.

Die Rezitationen, ob musikalisch untermalt oder nicht, haben ihren Reiz ebenso wie die Stücke mit Martha Wainwrights, Rufus Wainwrights oder Florence Welchs Gesang. Die größte Stärke von “Take All My Loves” jedoch ist die Sopranistin Anna Prohaska. So wird diese Platte vor allem unter Klassikfreunden Abnehmer finden. Prohaskas Sopran, Wainwrights Komposition und das BBC Symphony Orchestra geben Stücken wie “When Most I Wink (Sonnet 43)” und dem Album als Ganzem ihren Reiz. Insbesondere die Intensität von Komposition und Prohaskas Vortrag in “A Woman’s Face (Sonnet 20)” stechen hervor. Das soll nicht den Charme anderer Stücke reduzieren, doch die proto-klassischen Interpretationen auf “Take All My Loves” sind eine Klasse besser als zum Beispiel ein eher typisches Wainwright-Stück wie der Titeltrack nach Sonnet 40.

Andererseits besticht unter den Pop-Nummern besonders “Unperfect Actor (Sonnet 23)”. Das ‘rockigste’ Stück der Platte gemahnt in seiner treibenden Inszenierung an PJ Harvey oder Patti Smith. Aber selbst hier fügt Fiora Cutlers klassisch geschulter Gesang eine Klassik-Komponente bei. Zu Pop und Klassik kommt mit “All Dessen Müd (Sonnet 66)” noch Kunstmusik. Christopher Nell und Jürgen Holtz geben dieser quasi-Weill’schen Nummer ihren speziellen Charakter.

Pop, Klassik, Rezitation und Avantgarde finden sich alle auf Rufus Wainwrights “Take All My Loves”. Als Würdigung Shakespeares durch Wainwright ist die Platte in erster Linie ein künstlerisches Statement. In ihrer Vielfältigkeit, in ihrer Außergewöhnlichkeit ist sie jedoch auch eine faszinierende Platte im weiten Feld des Pop. Tatsächlich ist dieses Album überaus hörbar und nicht nur im Sinne von interessanter Kunst, sondern auch im Sinne von toller Musik.

Advertisements