Babyfather – BBF hosted by DJ Escrow

Dean Blunt ist Babyfather – oder zumindest ein Teil von Babyfather. Nach der von Arca produzierten Single „Meditation“, dem Mixtape „Platinum Tears“ und einem unbetitelten Zip ist „BBF hosted by DJ Escrow“ das erste Album des Projekts Babyfather – wobei Zweifel berechtigt sind, ob es wirklich ein Album ist, doch es mangelt an einem besseren Begriff. Blunt kooperiert hier unter anderem mit Micachu und Arca.

Im Kern der Platte steht die Zeile „This Makes Me Proud To Be British“. Diese wird im „Stealth Intro“ über fünf Minuten und in „Stealth“ und „Stealth Outro“ erneut über geraume Zeit kontinuierlich wiederholt. Der normale Mensch hört dies einmal und danach nie wieder. Es wäre aber falsch, hier die Platte schon in den Mülleimer zu treten, obwohl sich mit dem Rückkopplungslärm in „PROLIFIC DEAMONS“ und „Flames“ weiteres Unhörbares auf „BBF“ findet.

Schon das Cover mit Londoner Skyline und mit Union Jack lackiertem Hoverboard lässt stutzen. „Stealth“, „Stealth Intro“ und „Stealth Outro“ verstärken die Verwirrung. Aber die Platte beantwortet in keinem Moment die aufkommende Frage, was Babyfather uns mit diesem britischen Nationalstolz sagen will. Besonders als nicht gebürtig englischsprachiger Hörer erscheint es, als könne dies nur ironisch interpretiert werden – aber ob dem so ist, bleibt über 23 Tracks und 50 Minuten unklar.

Blunt – oder das Projekt Babyfather – tut auf „BBF“ drei Dinge. In erster Linie finden sich hier Dub und HipHop, die manchen an Bristol-TripHop denken lassen dürften, die aber vor allem den Klang des amerikanischen WordSound-Labels heraufbeschwören. Anspruch, Vielfalt und Qualität der Nummern erinnern an WordSounds „Shake The Nations“-Compilation aus dem Jahr 1997. Darüber hinaus aber lässt die Platte den Hörer – zweitens – voller Unverständnis zurück. Viele Hörer dürften verführt sein, eine (politische) Botschaft zu suchen. Diese ist wahrscheinlich tatsächlich beabsichtigt, sie bleibt jedoch unkenntlich. Selbst die abschließende „Message“ macht den Sinn nicht klar. So ist es am naheliegendsten, „BBF“ – drittens – als musikalisches Kunstwerk zu interpretieren. Die dümmste Frage, die man einem Künstler stellen kann, ist die Bitte, sein Werk zu erklären – und doch wäre es äußerst hilfreich, wenn man Blunt fragen könnte, was zum Henker er mit „BBF“ sagen möchte.

Babyfather provoziert die Hörer. „BBF hosted by DJ Escrow“ ist im schlimmsten Fall ein (April-)Scherz, den sich Blunt und sein Label Hyperdub auf Kosten der HipHop-, Dub- und Bassmusik-Genres, der Industrie und der Hörerinnen erlauben. Im besten Fall ist es ein Kunstwerk, das im Sinne von Beuys‘ Fettecke zu werten ist. Wahrscheinlich aber ist es einfach eine mittelmäßige Platte, die einzelne ziemlich gute Momente aufzuweisen hat – und „Momente“ meint wirklich Augenblicke, nicht einmal ganze Tracks.

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