Sia – This Is Acting

Wer sich fragt, warum so viel Popmusik so ähnlich klingt, merkt schnell, dass einer der Gründe nicht so sehr ist, dass die Nummern einer Formel folgen, die relativ einfach zu erlernen scheint, sondern viel mehr, dass die Tracks von den gleichen Leuten für die unterschiedlichsten Sängerinnen geschrieben werden. Eine der Personen hinter den Hits ist Sia Furler oder einfach Sia, die unter anderem Rihannas “Diamonds”, Beyoncés “Pretty Hurts” oder Britneys “Perfume” schrieb. Sia ist auch die Ausnahme von jener Regel, die besagt, dass die Maschinen hinter den Hits nicht selbst erfolgreiche Künstler sein können.

Der Nachfolger zu Sias bisher erfolgreichstem Album “1000 Forms Of Fear” aus dem Jahr 2014, das nicht nur in den USA auf Platz eins der Charts ging und dessen Hitsingle “Chandelier” auch hierzulande die oberen Bereiche der Charts erreichte, hört auf den Titel “This Is Acting”. Wüsste man nicht, wer Sia ist, würde man die Platte dennoch sofort mit Künstlern wie Rihanna, Beyoncé oder Zara Larsson vergleichen. Anders formuliert, würde man “This Is Acting” automatisch in eine Reihe mit dem durchschnittlichen internationalen Pop der letzten etwa zehn Jahre stellen. So nutzt Sia also dieser Tage ihr Wissen um die Formel des Pophits für die eigenen Zwecke. Allerdings kann – wie man bei Grimes letztes Jahr sah – aus dieser Formel wirklich Großes entstehen, und Sias aktuelles Album auf Formeln zu reduzieren, führt auch nicht zwangsweise weiter.

Laut Guardian sind die Stücke auf “This Is Acting” mehrheitlich ursprünglich für andere Künstler geschrieben worden. In der Tat ist der oben bereits erwähnte Vergleich zu Rihanna manchmal so naheliegend, dass man wirklich denkt, die ein oder andere Nummer müsse von Rihanna gesungen beziehungsweise für sie geschrieben sein. All dies macht klar, “This Is Acting” als Album ist gefüllt mit Popsongs, wie sie eh schon 24 Stunden im Radio und im letzten verbliebenen Musik-TV laufen. Auch wenn die Stücke zum Teil vielleicht roher produziert sind als manch vergleichbare Nummer, zielen sie doch ganz typisch rhythmuslastig und mit latent übersteuerter Stimme mal mehr auf die Partylaune, mal mehr auf die großen Gefühle. Wer das aushält, und es ist gut auszuhalten, oder wer daran sogar großen Gefallen findet, und es ist sehr gefällig, dem wird Sias nunmehr siebtes Studioalbum viel Vergnügen bereiten. Alle anderen wird es anstrengen, nerven, auditiv belästigen. Die Entscheidung, zu welcher Gruppe man gehört, ist übrigens einfach, wenig auf dem Album erreicht die Qualität der ersten Vorabsingles “Bird Set Free” und “Alive”, die – wie relativ üblich – das Album auch eröffnen, um selbst die ungeduldigsten Hörer sofort zu beruhigen.

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