Anna Ternheim – For The Young

Anna Ternheims Musik ist wie eine On-off-Beziehung. Man mag sie einige Zeit ignoriert haben, aber trifft man wieder auf sie, ist man sofort wieder entzündet. So fällt es kaum auf, dass ihr letztes Album bereits im Jahr 2011 erschien. Dieser Tage erscheint hier der Nachfolger “For The Young”, der international im November 2015 veröffentlicht wurde. “For The Young” entstand während und nachdem Ternheim versuchte, ihre Schreibblockade in der Heimat Stockholm und in Buenos Aires zu überwinden, bevor sie in ihre Wahlheimat New York zurückkehrte.

Auch wenn also einige Jahre vergangen sind, ist es, als habe man sie dennoch gestern erst gehört. Gitarre, zarte Streicher, etwas Schlagzeug und Ternheims Gesang nehmen fast so gefangen wie vor zehn Jahren, als das Debütalbum endlich auch in Deutschland erschien. Ternheim präsentiert weiter zarte Singer-Songwriter-Musik, die ganz viel vom Folk in sich trägt und ein klein bisschen vom Jazz. Auch diesmal entsteht so wieder eine Platte voller Zauber, die in ihrer poppigen Eingängigkeit eigentlich lange gefallen sollte.

Der Hall auf Ternheims Stimme ist ein wenig zurückgenommen, die Stücke sind ein kleines bisschen weniger ohrwurmtauglich, die Musik zwingt dazu, ein bisschen genauer ihre Feinheiten, ihre Schönheit zu erfassen. Bei allem Zauber ist “For The Young” spröder als Ternheims ältere Veröffentlichungen. Im Vergleich zu den direkten Vorgängern ist die Platte ein Schritt zurück, weg von den ‘großen’ Kollaborationspartnern. Das bisschen Tennessee, das sich zuletzt in Ternheims Musik fand, wurde wieder durch schwedische Schären ersetzt.

Ternheim stellt das stärkste Stück, jenes, das die Herzen der Hörer sofort packt, an das Ende des Albums, statt damit zu beginnen. So will man „For The Young“ dann, nachdem der letzte Ton verklungen ist, doch sofort wiederhören, obwohl es weitgehend nur ein einfaches, ein einfach nettes Album ist, das ohne Hits sich den klassischen Popstrukturen widersetzt.

Advertisements