Jochen Distelmeyer – Songs from the bottom, Vol I

Bei der Ankündigung eines Albums mit Coverversionen lässt sich bei einem jeden Künstler fragen, wer das braucht, was das soll. Auch ein neues Album von Ex-Blumfeld-Kopf Jochen Distelmeyer mag bei der einen oder anderen für Stirnrunzeln sorgen, war doch das Solo-Debüt mit einigem Abstand betrachtet vielleicht nicht so ganz so gut wie im ersten Moment geschrieben. Ein Coveralbum von Jochen Distelmeyer kann dennoch durchaus Erwartungen wecken, waren Coverversionen doch immer Höhepunkte der Blumfeld’schen Konzerte. Allerdings handelt es sich bei “Songs From The Bottom Vol. I” weder um ein Blumfeld-Album, noch befinden wir uns in einer Live-Situation.

Um es gleich festzustellen, so negativ manches hier klingen mag, besitzt Distelmeyers zweites Solo-Album durchaus einen gewissen nicht von der Hand zu weisenden, seltsamen, um nicht zu sagen absurden Charme. Nichtsdestotrotz gibt es wahrscheinlich nur wenige, die dieses Album brauchen oder es auch nur wirklich gut finden werden. Distelmeyer präsentiert Stücke von Joni Mitchell, Lana Del Rey, Britney Spears, Radiohead, Avicii und anderen. Er präsentiert all seine Versionen in einem sehr ruhigen, reduzierten Vortrag. Einerseits verdeutlicht dies die Stärke der Originale, andererseits gerät die Platte dadurch zum einen eher dröge, zum anderen bekräftigt dieser Fokus auf der Kernsubstanz der Ur-Versionen die Einschätzung, dass “Songs From The Bottom” ein eher unnötiges Album ist – so übermäßig unfair eine solche Bezeichnung einem Künstler gegenüber auch immer ist.

Der erwähnte absurde Zauber dieser Distelmeyer-Platte zehrt sich aber ebenfalls gerade aus dieser Reduziertheit. Für Blumfeld- und Distelmeyer-Fanboys und -Fangirls entfaltet die Verbindung aus Distelmeyers Gesang und den ursprünglichen harmonischen, melodischen und zum Teil auch textlichen Stärken der Stücke potentiell einen Gegensatz und eine Spannung, die sich nicht etwa im wiederholten Hören abbaut, sondern eher noch verstärkt. Dafür mag Britneys “Toxic” als Vorabsingle durchaus beispielhaft stehen, darüber hinaus aber ist der bluesartige Vortrag dieses Stücks eher untypisch für das Album.

Die Stärke dieser “Songs From The Bottom” ist die Qualität der Melodien und Harmonien in den Originalen, ihre schwer nachvollziehbare, aber reale Faszination zehrt sich daraus, Jochen Distelmeyer diese Texte in seinem typischen Stil singen zu hören, und dabei die vielfach allzu vertrauten Harmonien und Melodien zu hören. Nichtsdestotrotz ist “Songs From The Bottom” weder ein wirklich interessantes oder gutes Album. Aber irgendwas hat es.

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