Yuck – Stranger Things

Yucks drittes Album “Stranger Things” ist ein willkommener frischer Wind in der zuletzt gehörten Musik. Das überrascht allerdings, wirft es einen doch eigentlich zurück in die mittleren 1990er Jahre. Die Band um Max Bloom präsentiert hier einen eingängigen und durchaus mitreißenden Alternative-Rock, der an einigen Stellen Noise-infiziert ist und an anderen Stellen an College-Rock und Power-Pop erinnert.

Diese Musik besitzt einen zeitlosen Charakter. Immer wieder versuchen Bands und vermag die ein oder andere Gruppe den mal verzerrten, mal poppigen Charme der Bands zwischen Sonic Youth und Weezer, The Lemonheads und Pavement einzufangen. Auch Yuck gelingt dies auf gelegentlich beeindruckende Art und Weise. Die Melodien sind wunderschön, die Gitarren und Stimmen sind angenehm grob und verzerrt.

Problematisch wird es nicht nur, wenn Hörer bei „As I Walk Away“ sich ab dem ersten Ton fragen, ob das nicht eine Cover-Version sei. Derart extrem stellt sich diese Frage im Verlauf der Platte sonst nicht. Aber es drängt sich allgemein der Eindruck auf, dass Yuck vielfach nicht nur den Klang des geräuschvollen Indie-/Alternative-Rock adaptieren, sondern auch allgemein eher sehr nah an den Originalen sind. „Stranger Things“ ist weit mehr als ein reiner Abklatsch, aber es scheint dennoch zu wenig originär Eigenes zu geben.

Hinzu kommt, dass es den Stücken bei aller Qualität an irgendetwas fehlt. Das gewisse Etwas geht ihnen ab. Wenn sie poppig sind oder einen Ohrwurm-Charakter zu entfalten drohen, mangelt es an dem Haken, der sie dann tatsächlich ganz tief im Gehörgang verankert. Wenn sie eher roh und ungeschliffen zum Noise tendieren, setzen sie nicht den einen Glanzpunkt, der das Stück im Gedächtnis verankert. Es ließe sich schreiben, Yuck gingen nur den halben Weg, und die Hörer blieben enttäuscht zurück.

„Stranger Things“ ist ein gutes Album. Es macht Spaß. Es wirft einen in die Vergangenheit und erscheint dennoch generell wie ein frischer Wind. Nichtsdestotrotz bleibt am Ende ein schaler Beigeschmack, stellt sich die Frage: „Das war’s schon?“

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