Jherek Bischoff & Amanda Palmer – Strung Out In Heaven: A Bowie String Quartet Tribute

Jherek Bischoffs und Amanda Palmers “Strung Out In Heaven”-EP ist ebensosehr ein Tribut an David Bowie wie an die Autonomie, die neue Finanzierungsmöglichkeiten im Netz Künstlern ermöglichen können – solange sie die nötige Basis internet-affiner Fans besitzen. Ohne ihre Unterstützer bei Patreon.com wäre Palmer nicht in der Lage gewesen, innerhalb weniger Wochen Musiker, Künstler, Studio und Techniker zu organisieren und zu bezahlen. Sie und Jherek Bischoff hätten ohne Palmers Patrone nicht die eigenen frischen Wunden der Trauer so effektiv heilen können, indem sie sich vollkommen dem hingaben, was David Bowie ihnen bedeutete.

“Heroes”, “Helden”, “Blackstar”, “Space Oddity”, “Ashes To Ashes” und “Life On Mars” sind die Stücke, die Bischoff und Palmer zusammen mit unter anderem Anna Calvi und John Cameron Mitchell für “Strung Out In Heaven: A Bowie String Quartet Tribute” aufnahmen. Diese Auswahl und die rücksichtsvollen Arrangements ihrer Versionen sind zuvorderst einfach eine Hommage an die Musik Bowies, sie zeigen zudem aber auch, in welchem Maße die Person und die Musik Bowies die alternative Pop-Musik geprägt haben, wie sehr die ‘Spinner’ Ian Curtis, Bernard Summer, Robert Smith, Anne Clark, Fehlfarben, DAF und, mehr in der Gegenwart, Jamie Stewart, Amanda Palmer, Neil Hannon oder Nika Roza Danilova nicht nur durch Person und Schaffen beeinflusst waren, sondern wie ihnen durch seine Vorarbeit die Möglichkeit gegeben wurde zu erreichen, was sie erreichten.

Die Besonderheit der präsentierten Arrangements, ihre Qualität und der Grund, warum sie so emotional ergreifen, liegt zu einem großen Teil begründet in Bischoffs Streicherarrangements. Sie betonen harmonische – oder im Zweifel auch disharmonische – und melodische Eigenschaften der Songs, ihnen gelingt tatsächlich, den durchaus altbekannten Stücken neue Facetten zu entlocken. Sie schaffen es, die von den Stücken hervorgerufenen Gefühle zu maximieren. Dies ist in kaum einem Moment mehr zu spüren als in der rein instrumentalen “Life On Mars”-Version, wobei auch die “Ashes to Ashes”-Variante nicht zuletzt dank der Streicher unbedingt fasziniert.

“Ashes to Ashes” zeigt aber auch einen weiteren Grund für die außergewöhnliche Qualität der Interpretationen, nämlich die Vocals. Während der Gesang insgesamt nah am Original ist, nehmen sich alle Beteiligten (Palmer, Calvi, Gaiman, Mitchell) doch immer wieder die Freiheit, den Texten ihrer Bedeutung im Kontext und ihren rhythmischen Qualitäten maximale Geltung zu verleihen. Besonders Palmers Gesang merkt man an, welche Bedeutung diese Arbeit für sie hat.

“Strung Out In Heaven” lebt nichtsdestotrotz vor allem von der Qualität der Originale, von der Intensität, die, zum Beispiel “Blackstar”, “Helden” oder “Ashes To Ashes” von je her innewohnt. Die EP überzeugt nicht, weil sie ein Tribut an Bowie einen Monat nach seinem Tod ist, sie überzeugt, weil sie mindestens die Essenz der Stücke erhält, vielfach und insbesondere dank der Streicher neue Aspekte offenbart, und uns die erwähnte Essenz im Fall von “Life On Mars” sogar potenziert verabreicht.

Auch im Fall von “Strung Out In Heaven” stellt sich die Frage, welchen Wert eine Platte voller Cover-Versionen hat. Es kann zudem gefragt werden, ob eine Tribut-EP nur einen Monat nach Bowies Tod nicht übereilt ist, nicht einfach nur Eigenwerbung ist. Allerdings darf im Fall von Palmer, Bischoff und den weiteren Beteiligten durchaus davon ausgegangen werden, dass diese EP zuallererst Teil der eigenen Trauerarbeit ist. Sie ist zudem eine hervorragende Erinnerung an und Verbeugung vor Bowie und bietet als solche ein Mittel zur Trauerbewältigung für jene, denen Bowies Krebstod noch immer schwer auf der Seele liegt. Darüber hinaus ist es eine fantastische EP voller seltsamen Pops zwischen Kunst, Kabarett, Punk und klassischen Streichern, eine EP, die nicht sobald langweilig werden wird.

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