Miike Snow – iii

Miike Snow haben sich bei der Betitelung ihres dritten Albums enorme Mühe gegeben. „iii“ ist auch anderweitig nicht unbedingt ein großer Wurf. Wobei diese Vorverurteilung zu Beginn der Besprechung unfair ist. „iii“ ist keine schlechte Platte, sie ist aber eben auch kein Meisterwerk. „iii“ kann Spaß machen, muss sie aber nicht.

Auf der Plusseite steht, dass die zehn Stücke der Platte allesamt wunderbarer Pop sind. Sie unterhalten, lassen die Hörer im besten Fall die Umgebung vergessen und durch die Welt driften. Schon die Albumeröffnung „My Trigger“ ist ein euphorisierendes Stück Gute-Laune-Pop. Nicht nur in der Albumeröffnung bieten Miike Snow auf „iii“ Disco-Pop in der Tradition der Scissor Sisters. Hinzu gesellen sich Abstecher in den zeitgemäßen R’n’B der Marke The Weeknd, die sie erfrischenderweise nicht losgelöst vom klassischen Soul betrachten, und eine Mischung zwischen Postdubstep-Soul und Barockpop, das heißt eine Mischung aus James Blake und Divine Comedy.

Wie positiv auch immer dieser Hörer versucht, an dieses Album heranzugehen, am Ende überwiegt immer die Minusseite. Der vorhergehende Absatz ist tatsächlich eine äußerst positive Zusammenfassung der Platte. Es sind zehn Pop-Songs, die in sich alle schlüssig sind und sich gut hören lassen. Sie stören nicht. Das Problem aber ist, sie bleiben vor allem auch nicht hängen. Gar nicht. Kein bisschen.

Die Stücke sind überzeugend inszenierte Popsongs. Aber im Regelfall plätschern sie vorbei, ohne Eindruck zu hinterlassen. Die Stücke sind originär Miike Snow, aber zumeist ohne echte Alleinstellungsmerkmale. Sie sind melodisch und harmonisch ohne Fehler. Nach dem Hören sind sie aber schnell (quasi sofort) vergessen.

Dabei geben sich Miike Snow offenbar alle Mühe. Das Songwriting versucht durch verschiedenste Stilmittel, die Aufmerksamkeit zu erregen. Es ist bemüht, alle üblichen Pop-Register zu bespielen, Mitsingen, -klatschen, etc wenn es im Live-Umfeld wäre, Mitsummen, -pfeifen der eingängigen Melodien im Hören des Albums. Das ist alles ganz hübsch, aber im Gedächtnis bleibt wenig bis gar nichts. Einen Eindruck hinterlassen noch am ehesten der Alternative-R’n’B von „Heart Is Full“ und das intensivere und chaotisch interessante „For U“, bei dem Charlie XCX Miike Snow unterstützt.

„iii“ ist nett und das in allen möglichen Deutungen des Worts. Es ist so, wie im besten Fall die Platten von Ein-Radiohit-Wundern klingen. Es langweilt nicht, es bietet aber auch kaum Interessantes. Hier fehlt zudem dieser eine Hit. Manch eine mag das als perfekte Begleitmusik bezeichnen – und das ist durchaus treffend. Manch andere könnte es beliebig nennen. Subjektiv ist das eine zu positiv formuliert, und das andere zu negativ.

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