Underworld – Barbara, Barbara, We Face A Shining Future

Es ließe sich fragen, wieso seit knapp dreißig Jahren neue Underworld-Alben immer wieder gespannt erwartet werden. Die Antwort ist natürlich die Hoffnung, auch nach einer solch langen Zeit von einer neuen Platte von Hyde und Smith weggefegt zu werden. Ebenso üblich wie die Spannung ist die – bösartig formuliert – Ernüchterung, dass die beiden nur einmal mehr das gemacht haben, was sie halt machen, dass einmal mehr auch das nunmehr siebte Album gut und unterhaltend, aber kein Meisterwerk ist.

„Barbara Barbara, We Face a Shining Future“ heißt das siebte Underworld-Album, und es ist vor allem das: ein Underworld-Album. Dabei sagt Karl Hyde im Gespräch mit Billboard, dass sie dieses Album gemacht haben, ohne darüber nachzudenken, wie es zu Underworld passt oder ob es nach Underworld klingt.

Underworlds Musik wird als Progressiver House, Progressiver Trance, Techno, Alternative Dance-Music, Breakbeat, Electro, Synthpop oder Experimentelle Musik bezeichnet. Am einfachsten ist es, sie einfach als Techno zu bezeichnen und dies sofort dahingehend zu relativieren, dass Underworld die Grenzen dieser Schublade regelmäßig sprengen. Vielleicht liegt dies daran, dass Underworlds Techno/Electro generell den Eindruck erweckt, in klassischeren Kompositionstechniken zu entstehen. Dies gilt auf „Barbara“ noch stärker als zuvor und wird betont durch die starke Verwendung von Vocals.

Eines der Geheimnisse des Techno ist seine hypnotische Wirkung aufgrund seines repetitiven Charakters. Dieses monoton Hypnotische zieht sich seit jeher durch das Wirken von Karl Hyde und Rick Smith und ist dort noch stärker präsent als bei ihren Kolleginnen. Dass dieser Sog bei Underworlds Musik noch stärker ist als bei anderem Technopop, beruht ebenfalls auf der starken Nutzung von Vocals und daran, dass ihre Musik offenbar in klassischeren Songwriting-Prozessen entsteht.

„Barbara Barbara, We Face a Shining Future“ ist ein Album, das wächst. Aber das gilt für fast alle Underworld-Alben. Beim ersten Kontakt erscheint es geradezu langweilig. Die Musik ist ohne Zweifel gut, sie ist halt Underworld’sch, ihre Trägheit aber macht ein bisschen ratlos. Die Platte gefällt zunächst vor allem nur, weil sie Underworld’sch klingt. Je öfter aber das Album gehört wird, desto mehr entfaltet sich der hypnotische Sog, umfasst einen der monton repetitive Technopop, bis man fast versucht ist, “Barbara” über den grünen Klee zu loben.

Underworld legen mit „Barbara Barbara, We Face a Shining Future“ einmal mehr ein Album vor, das vor allem diejenigen anspricht, die es sowieso hören werden, selbst wenn sie wenig erwarten. Ihr siebtes Album ist eine Popplatte. Sie entspringt dem Techno, sie ist Techno in ihrer Wirkung, und doch sind die sieben Tracks vor allem Pop. Es gibt durchaus Gründe, „Barbara Barbara, We Face a Shining Future“ als ein perfektes Pop-Album zu bezeichnen. Es dürfte zumindest für Underworld-Fans ein solches sein.

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