Nils Frahm – Music for the Motion Picture Victoria

Sebastian Schippers Film “Victoria” wurde für zahlreiche Preise nominiert und gewann nicht wenige. Auch der Soundtrack erhielt den Deutschen Filmpreis für die beste Filmmusik. Außer einem DJ Koze Edit stammt die Musik von Nils Frahm, der wiederum unterstützt wurde von Anne Müller am Cello, Viktor Orri Árnason an der Violine und der Gitarre von Erik K. Skodvin. Diese vier setzten sich ins Studio und ließen ihrer Kreativität freien Lauf, während der Film in einer Schleife auf eine Leinwand projiziert wurde. All diese Infos sind aber vollkommen vernachlässigbar, sobald die ersten Töne von “Our Own Roof” erklingen. Es wird schnell deutlich, dass “Victoria” deutlich anders ist als manches aus Frahms Schaffen, das ihn zu solch einem Kritikerliebling gemacht hat.

Auf “Victoria” präsentieren Frahm und Mitstreiter über weite Strecken sparsame oder man könnte auch sagen spärliche Musik. Perkussive Anschläge und Drone-artige Streicher bestimmen den Eindruck. Immer spielt das Rauschen des Raumes eine Rolle in der Musik. Auch wenn der Score als Neue Musik bezeichnet werden kann, so erinnert er meist mehr an die drone-lastige Variante des Ambient. Im Zentrum steht weniger Frahms Klavierspiel als die beteiligten Saiteninstrumente. Nicht zuletzt deshalb lässt sich die Stärke dieser Platte – wie auch manch anderer – vielleicht am besten erleben, indem man sie mit gut abschirmenden Kopfhörern hört und dabei durch eine Menschenmasse läuft. Die Musik fängt den Kontrast zwischen klanglicher Isolation und visueller Reizüberflutung perfekt auf und verstärkt ihn. Möglicherweise hilft es noch mehr, wenn es eine kalte, von Kunstlicht beleuchtete Szenerie ist, um die zähfließende, unterkühlte und eher dunkle Atmosphäre der Musik zu erfassen.

Sicherlich lässt sich “Music For The Motion Picture Victoria” anders hören, als hier beschrieben. Dennoch erscheint es, als transportiere die Musik ein übermächtiges Gefühl der Isolation. Es mag für manche sogar fast erdrückend wirken. In der Tat erwecken die Pianoanschläge im abschließenden “Pendulum” den Eindruck eines Zusammenbrechens, und die restliche Instrumentierung des Stücks ruft eher post-apokalyptische Assoziationen hervor.

Advertisements