Funkstörung // Funkstörung

Michael Fakesch und Chris De Luca hatten sich gestritten. Das ist etwa zehn Jahre her. Bis zum letzten Jahr sprachen sie nicht miteinander. Zuvor hatten sie als Funkstörung mit “Appetite For Disctruction” nicht nur eines der interessantesten Alben des Jahres 2000 aufgenommen, die Platte machte zudem ihrem Namen alle Ehre. Sie klang für manchen wie zerstörte CDs. Die Musik De Lucas und Fakeschs verband auf ziemlich einzigartige Weise HipHop-Beats und Glitch. Hier trafen Wu-Tang Clan und Autechre aufeinander.

Zum Nachfolger “Disconnected” sagte Fakesch in 2004 der De-Bug, “Fucking Beats und Sounds können wir programmieren, das weiß jeder, das ist unser Metier, aber das war einfach keine Herausforderung mehr. Wir wollten diesmal schöne Songs, schöne Melodien, …. Weg vom Trackwriting, hin zum Songwriting.” De Luca ergänzte, “Wenn wir die Instrumentals fertig hatten, das war alles schön und gut, aber wenn dann halt noch mal die Stimme drauf war …”, und Fakesch beendete den Satz: “Whooa!“. Ein Sentiment, dass beide im erneuten Interview mit der De-Bug auch für das Comeback bestätigen.

Dass es nach zehn Jahren Schweigen zu einem neuen Album kam, verdanken wir – und die beiden Musiker – nicht zuletzt der Initiative von Mouse on Mars’ Andi Toma. Der fragte nach, ob es nicht möglich sei, eine Funkstörung-Kooperation für das Mouse-On-Mars-Jubiläumsalbum zu bekommen. Aus dieser Initiative erwuchs nun auch das selbstbetitelte Comeback-Album.

Die Platte ist vordergründig geprägt von den gefeatureten Vokalistinnen Jamie Lidell, Jay Jay Johanson, Adi, Anothr, Taprikk Sweezee und Audego. Diese verleihen den Stücken ihre soulige Emotionalität. Allerdings sind es auch die Gesangsspuren, die dafür sorgen, dass die Platte eher zurückgenommen erscheint. In der Tat resultiert daraus eine scheinbare Spannungsarmut, und das Album wirkt zunächst fast langweilig.

Allerdings wächst es, und dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen vermögen Melodien und Gesang auf mittlere Sicht zu faszinieren, emotional zu packen und ihren Ohrwurmcharakter voll zu entfalten. Somit haben die Stücke auf “Funkstörung” die Wirkung des typischen (nicht nur aber auch guten) Radio-Pops. Andererseits aber sind es vor allem die instrumentalen Beatspuren, die auf lange Sicht ihre Widerhaken voll ausfahren, die nachhören lassen, die die kleinen Feinheiten der Produktion erkunden lassen. Unter den souligen, funkigen, poppigen Melodien und Gesangsspuren verstecken Fakesch und De Luca genau jene interessanten Produktionen, die schon auf “Appetite For Disctruction” faszinierten. So klar die Songs hier dem Funk, Soul und Pop angehören, so lässt sich in ihnen dennoch immer noch die Nähe zu Mouse On Mars, Autechre, Aphex Twin oder, in jüngerer Zeit, Clark erkennen – eine Verwandtschaft, die weiterhin durch eine Liebe zu HipHop-Beats balanciert wird.

Funkstörungs selbstbetiteltes Comeback – oder zweites Debüt – ist ein simples Album. Das heißt hier, dass es keine spektakulären Neuentdeckungen bietet. „Simpel und einfach“ lässt sich aber auch lesen als „einfach schön“. Es ist eine Platte zum Genießen ebenso wie zum Nebenherhören, es ist leichte Unterhaltung, doch kann man sich auch darin vergraben.