s t a r g a z e // Deerhoof Chamber Variations

Deerhoof sind eine dieser Bands, deren Freude am Grenzenüberschreiten die Kritiker automatisch auf ihre Seite zieht. Stargaze sind eine Gruppe von klassisch geschulten Musikern, die versuchen, mehr zu tun, als einfach über den Tellerrand zu schauen. Nach Live-Projekten mit unter anderem These New Puritans, Owen Pallett, Terry Riley, The Dodos oder Julia Holter erscheint nun eine erste Plattenveröffentlichung.

Deerhoofs Greg Saunier nahm sich dafür eine Reihe seiner Songs für Deerhoof vor und re-arrangierte sie für eine mehr oder weniger klassische Kammermusik-Besetzung. Das Ergebnis, die “Deerhoof Chamber Variations”, kann entweder als EP und Sammlung von Miniaturen gesehen werden oder als eine alleinstehende Komposition von etwa neunzehn Minuten. Auch wenn der Titel der Platte sowohl „Deerhoof“ als auch „Chamber“ im Namen trägt, sollten weder Fans von Deerhoof noch Hörer herkömmlicher Kammermusik erwarten, hier unbedingt auf ihre Kosten zu kommen. Die Musiker verlangen vom Hörer die gleiche Offenheit, die sie selbst in ihrer Arbeit an den Tag legen.

Streicher, Bläser, Klavier und wortlose Stimmen bestimmen den Klang. Harmonien sind gelegentlich poppig, häufig erinnern sie tatsächlich an klassische Kammermusik, manchmal ergibt sich ein orchestraler Soundtrack-Charakter. Auch wenn Stargaze diese Variationen als kontinuierliche Komposition beschreiben und das Hörerlebnis diese Kontinuität durchaus wahrnimmt, sind die Stücke doch eigentlich eine Vielzahl kleiner Skizzen, die beim Versuch, sie zu analysieren, nur schwer zusammen zu denken sind. Es ist erstaunlich, dass diese Kleinteiligkeit der Gesamtkomposition nicht schadet. Es mag sein, dass es die kammermusikalische Instrumentierung und Inszenierung sind, die es schaffen, die einzelnen Teile miteinander in Einklang zu bringen. Andererseits vermag es ein Daniel Lopatin ähnlich, aus kleinsten, scheinbar unzusammenhängenden Elementen ein zusammenhängendes Ganzes zu schaffen.

Stargazes “Deerhoof Chamber Variations” gewinnt als Sammlung wohlklingender und Schönheit-verströmender Motive. Melodie-Fetzen und Klarheit der instrumentalen Klänge geben dem Hörer Geborgenheit und begeistern in der delikaten Balance aus altbekannten, klassischen Kammermusik-Assoziationen und neuen ungehörten Kompositionen. Die wahren Höhepunkte der EP sind jedoch die expressiveren Momente. Sie sind es, die aus Stargazes Debüt-Veröffentlichung etwas Besonderes machen.