Dapayk Solo // #nofilter

Manch ein Album ist wie eine gemischte Tüte Süßkram, die man nicht selbst zusammengestellt hat. Die Gefahr besteht, dass zu viel Lakritze drin sind. Oder der Beutel enthält nicht genug Himbeeren. Niklas Worgts aka Dapayks neues Album “#nofilter” ist definitiv eine gemischte Angelegenheit, eine, die in der Mehrzahl durchaus süß schmeckt.

Diesmal ohne Ehefrau Eva Padberg, veröffentlicht der Chef von Mo’s Ferry als Dapayk Solo eine übersteuerte, dem Namen der Platte angemessen ungefilterte Platte, welche das alte Klischee des maximal Minimal erfüllt. Anders betrachtet macht Worgt hier zwar vordergründig Minimal, seine Produktionen zehren dabei aber nicht zuletzt auch aus Breakbeat und Mitt-1990er Electro. Mancher mag Dapayks Produktionen einfach als Techhouse bezeichnen, und das passt vermutlich, aber ebenso zutreffend verschmilzt er hier Minimal mit Bigbeat. So minimal das Album eröffnet, so zeitüberschreitend aggressiv ist es dann spätestens mit “Too Deep Too Sleep”. Den Höhepunkt der Platte, musikalisch wie emotional, hebt Worgt sich aber als Bonustrack für das Ende auf. “Last Rounds” ist der Moment, in dem sich dieser Hörer zum Abschluss der Platte doch noch restlos in Dapayk Solos Musik verliert.

Subjektiv überzeugt hier dennoch nicht alles. Die Gefahr der monotonen Langeweile besteht bei eher stilistisch reduzierten Tracks immer, und leider fällt auch “#nofilter” ihr streckenweise zum Opfer. Auch die ironische Brechung der Techno-Ernsthaftigkeit durch den Titeltrack “No Filter” funktioniert nur bedingt. Zudem ist die Übersteuerung an manch einer Stelle fast zu viel des Guten. Dies sind allerdings Schwächen, die der Platte leicht vergeben werden. Ein bisschen Lakritz geht halt doch immer, und es gibt definitiv genug Leckeres. Insbesondere die Beschwerde über die Übersteuerung des Signals kann auch als Pluspunkt des Albums gesehen werden.

Alles in allem funktioniert “#nofilter”. Rauh, treibend, fokussiert – oder, wie Worgt selber sagt, “linearer, reduzierter … dreckiger” – überzeugt das Album in allen Situationen. Sei es als Nachtfahrt-Begleitung, für die Kopfhörer-Party oder als Ausblendung der Umwelt im (Arbeits-)Alltag, “#nofilter” bietet eine Stunde Flucht, und einen Gutteil davon auch Genuss. Spätestens, wenn Worgt in “Intervention” noch Drum’n’Bass-Elemente einbindet, sind der Platte auch ihre schwächeren Momente verziehen – und dann ist “Last Round” noch gar nicht erklungen.