Majical Cloudz // Are You Alone?

Devon Welsh ist die Stimme, Matthew Otto ist die Musik, das Medium, auf dem die Stimme getragen wird. Zusammen sind sie Majical Cloudz. Ihr dieser Tage erscheinendes zweites Studio-Album “Are You Alone?” ist eine unglaubliche Platte. Sie ist unglaublich schön, unglaublich nervig, und vielleicht teilweise ziemlich besorgniserregend. Wobei letzteres vermutlich gestrichen werden kann und eine treffendere Interpretation das Besorgniserregende als Performancekunst sieht.

“Are You Alone?” besteht aus zwölf wunderbaren Songs. Mal etwas langsamer, mal etwas schneller voranschreitend, immer aber in gemäßigtem Tempo dargeboten, singt Welsh über Ottos eher ambienten Klanglandschaften aus Synth und Drums, aus Piano und Samples. Es ist unfair zu sagen, es sei ein Dutzend mal der gleiche Song, aber zumindest tendenziell mag sich dieser Eindruck aufdrängen. Die Stücke sind zwölfmal wunderbar, schön, großartig anzuhören. Majical Cloudz erlauben den Hörenden, sich in jedem Song erneut in tiefster Melancholie zu suhlen. Zwischenzeitlich drängt sich der Verdacht auf, Welsh und Otto hätten zu viel The National gehört und sich an Variationen von deren Motiven versucht.

Ein Dutzend wunderschöner Songs macht in diesem Fall leider dennoch kein gutes Album. “Are You Alone?” ist weniger als die Summe seiner Einzelteile und gelingt reichlich monoton. Die Monotonie macht die Platte nicht automatisch nervig; und so wirklich nervt sie auch nicht. Aber zur subjektiven Monotonie der Musik gesellt sich auch ein monothematischer Charakter der Texte. Wo (sub-)depressive Emotionalität, lyrisches Stalking einer realen oder imaginären Liebe und die wiederholten Einlassungen über das eigene Lieben und damit verbundene Melancholie Kernthemen der Popmusik sind, haben Welshs Texte hier einen zu deutlichen Zaunpfahl-Charakter. Allerdings gilt auch hier, dass bis auf einzelne Ausnahmen die Songtexte durchaus die Erfahrungen der Hörenden effektiv ansprechen. In der Album-Gesamtheit jedoch sind sie eine Überhöhung von liebesverzweifelter Gefühlstrunkenheit, die nah daran ist zu langweilen.

Es gibt weitere subjektive Gründe, die Texte kritisch zu betrachten. Einerseits erscheint die Obsession mit dem Liebesleiden quasi-pathologisch, zumindest wenn man sie als realen Ausdruck von Welshs Gefühlen nimmt und nicht als künstlerische Überhöhung im Rahmen einer Vorstellung sieht. Andererseits, und im Widerspruch zu dieser ersten Wahrnehmung, gibt es im Rahmen des Albums einen Moment, in dem es scheint, als mache Welsh sich eben über solche Gefühle lustig, als nähme er das damit potentielle verbundene Leiden nicht ernst.

Wie auch immer diese beiden Punkte zu sehen sind, “Are You Alone?” ist eine Sammlung von zwölf wirklich fantastischen Songs. Die meisten der Stücke für sich allein genommen nähern sich fast der Perfektion. In ihrer Gesamtheit gehört, vermögen sie jedoch nicht vollständig zu überzeugen. Tatsächlich strengen sie als Album sogar an, und dieser Hörer ist immer wieder versucht, die Platte genervt auszuschalten.