Henrik Schwarz // Instruments

Henrik Schwarz mag nicht jedem ein Begriff sein, ist aber eine etablierte Größe in der elektronischen Musik. Im Rahmen von éclat fand er bisher nur mit “Duo”, seiner Kooperation mit Bugge Wesseltoft, Beachtung. Für jene Platte galt 2011, was auch heute für Schwarz’ neues Album “Instruments” wahr ist: “Obwohl es im Grunde nichts neu macht …, hört man es im Prinzip gern.” Wo dies vor vier Jahren mit einem negativen Unterton formuliert wurde, schreibt es sich heute mit expliziter Begeisterung.

Ebenfalls 2011 erhielt Schwarz das Angebot, einige seiner Stücke von einem Orchester einspielen zu lassen. Daraus entstanden verschiedene Aufführungen, von denen erst die in Tokio im Jahr 2013 Schwarz wirklich überzeugte. “Instruments” sammelt nun sieben dieser von Schwarz und Johannes Brecht arrangierten Rekompositionen. Eingespielt wurden sie vom Tokio Secret Orchestra unter Emi Akiyama. Dies war auch die klassische Besetzung, die es laut Schwarz schaffte, im Jahr 2013 wirklich “zum Kern der Musik vorzudringen.”

Tatsächlich glückt es den Musikern, gelingt es Schwarz’ und Brechts Arrangements, mit den Mitteln und im Klangkosmos der klassischen Musik die Charakteristika elektronischer Musik aufzugreifen. Die sieben Stücke auf “Instruments” vermögen, die Faszinationen klassischer Ensemble-Musik und digitaler Beat-betonter Dance-Musik zu verbinden, wobei dabei jedoch auf jedwedes Mittel elektronischer Musik verzichtet wird. Streicher, Holzbläser und Perkussion sind genug, um den Sog des House zu erzeugen, ihn jedoch zudem durch die Wärme und Intensität der Klassik zu ergänzen, und so den Stücken eine neue Dimension beizufügen. Dies wird bereits in der Albumeröffnung “Walk Music Four” deutlich, erfährt aber seinen ekstatischen Höhepunkt in “Cloud Three”.

Die deutsch-japanische Kooperation überzeugt jedoch nicht nur in diesen aufwühlenden Momenten. “Wamims” besticht in einer Zärtlichkeit, die erlaubt, den Klängen nachzuhorchen und den Musikern in ihrer technischen Versiertheit zu folgen. Auch wenn das Stück immer den ursprünglich elektronischen Charakter offenbart, wirkt es zwischenzeitlich fast barock und sakral. Damit steht es im kompletten Gegensatz zum lebensfroh-verspielten Albumabschluss “I Exist Because Of You Two”. Solche Unterschiedlichkeiten ergänzen sich hier in den Stücken zu einer streckenweise atemberaubenden Platte.

Populäre und elektronische Musik im Ensemblegewand sind nichts Neues, und es gab in den vergangenen Jahren immer wieder gelungene Beispiele. Kaum eines jedoch erreicht eine Wirkung wie “Instruments” von Henrik Schwarz und dem Tokio Secret Orchestra.