Leftfield // Alternative Light Source

Eurodance, House und BigBeat waren die elektronischen Musikrichtungen, die Mitte und Ende der 1990er Jahre selbst Radiohörer erreichten. Zur gleichen Zeit veröffentlichten Leftfield aka Neil Barnes und Paul Daley 1995 und 1999 ihre zwei Alben “Leftism” und “Rhythm And Stealth”, die beide zu Klassikern der elektronischen Musik wurden. Zwanzig Jahre nach dem Debüt als Duo und etwa fünf Jahre nach dem erfolgreichen Live-Comeback veröffentlicht Barnes nun ein neues Album unter dem Moniker Leftfield.

Wer ein revolutionäres Electronic-Album erwartet, wer einen dritten Klassiker erhofft, wird enttäuscht sein. “Alternative Light Source” ist ein gutes Album, vor allem aber ist es ein Album, das wenig überrascht. In fünfundzwanzig Jahren elektronischer Crossover-Klänge in der populären Musik haben BigBeat, Electro-Clash und Glitch alles schon mal gemacht, was hier zu hören ist. Aber das ist natürlich nicht wirklich ein Problem. In 60 Jahren Folkpop wurde auch alles schon mindestens einmal, aber vermutlich eher schon zehnmal als neu präsentiert.

Diese mangelnde Innovation wird erst dadurch zum Problem, dass die ersten zwölf Minuten des Albums doch eher ermüdend einsteigen. Weder “Bad Radio” mit Tunde Adebimpe noch das pumpend intensive “Universal Everything” vermögen im Albumkontext wirklich zu packen. Während “Bad Radio” tatsächlich geradezu langweilt, wäre “Universal Everything” wohl bereits im Jahr 2000 als zu sehr auf 08/15 produziert kritisiert worden. Allerdings zeigt “Universal Everything” zumindest, dass Barnes noch die Strickmuster kennt.

“Bilocation” erklingt im folgenden mystisch angehaucht und funktioniert gut, bevor dann die Sleaford Mod’sche Mark-E-Smith-Kopie auf “Head And Shoulders” für das erste Highlight sorgt – zugegeben, auch das haben Von Südenfed schon ähnlich gemacht. Nichtsdestotrotz zeigt sich Barnes gen Albummitte von seiner besten Seite. “Dark Matters” erklingt zurückgelehnt und doch spannungsgeladen, wohingegen “Little Fish” mit Poliça in seiner verspielten Art ekstatisiert. Eine zurückgelehnte Atmosphäre wird in “Storm’s End” wiederum von schwer stolpernden Bässen konterkariert.

Auch wenn der Einstieg in das Album nicht optimal gelungen sein mag, so entwickelt sich “Alternative Light Source” doch zu einer guten, wenn auch nicht spektakulären Platte. Leftfield oder eben Neil Barnes gelingt es, atmosphärisch dichte Klangflächen und schwere intensive Beats und Bässe in das richtige Gleichgewicht zu bringen. Auf diese Weise endet das dritte Leftfield-Album mit “Levitate For You”, unterstützt von Ofei, sogar mit einem der Albumhighlights und lädt ein, noch einmal durchzushufflen.