Kante // In der Zuckerfabrik

Acht Jahre lang beschränkten sich Kante darauf, ihr musikalisches Talent den deutschsprachigen Theaterbühnen zur Verfügung zu stellen. Schon ihre letzte Platte “Plays Rhythmus Berlin” war eine Neueinspielung ihrer für eine Revue im Friedrichstadtpalast geschriebenen Stücke. “In Der Zuckerfabrik” sammelt nun im Jahr 2015 in ähnlicher Weise Songs, die fürs Theater entstanden. Als sei das nicht schon Freude genug für die Fans der Band, planen die Musiker, in absehbarer Zeit die Arbeit an einem regulären Studioalbum zu beginnen.

Tatsächlich, und ohne damit der “Zuckerfabrik” die Qualität absprechen zu wollen, mag die aktuelle Platte manche eher enttäuschen und vor allem als Vorgeschmack auf eben jenes potentielle reguläre Album funktionieren. Kante zeigen hier insbesondere die Eigenschaften, die bereits an “Rhythmus Berlin” und dem Vorgänger “Die Tiere Sind Unruhig” faszinierten. Die Musik entführte in eigene Welten. Die Platten waren intensive, kontinuierliche Abenteuer, deren stilistische Ursprünge schwer zu fassen waren.

Die “Zuckerfabrik” funktioniert auf ähnliche Weise. Die Theatralik ist vielfach – und naturgemäß – auf die Spitze getrieben, und doch vermögen die Stücke zumeist gefangen zu nehmen. Inhaltlich ist manches schwer nachvollziehbar außerhalb der ursprünglichen Aufführungskontexte, doch die Vertonung der Texte von nicht nur Goethe, Brecht, Shakespeare, Handke oder Sophokles überzeugt in der Regel. Musikalisch bedient sich die Band einmal mehr quer durch die Genres, von revue-artigen Nummern bis zu weiterhin postrock-infizierten Stücken.

Wo allerdings die Vorgänger Gesamtwerke waren und in dieser Geschlossenheit faszinierten, zerfasert die “Zuckerfabrik” nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch. So flachen beim Hören immer wieder Aufmerksamkeit und Interesse ab. Während einzelne Stücke mitreißen und begeistern, verleiten andere zum Weiterskippen. Zudem gewinnt man zwischenzeitlich den Eindruck, vieles so von der Band bereits früher gehört zu haben. So ist “In Der Zuckerfabrik” ein gutes Album, eines, das sicherlich sein Publikum finden wird, aber auch eines, das vor allem Freude auf ein geschlosseneres Werk macht. Kante zeigen hier alle ihre Fähigkeiten, sie zeigen aber nicht auf, wieso man diese Platte nun statt einen der Vorgänger hören sollte.