Rone // Creatures

Rones nunmehr drittes Album “Creatures” ist ein Gemischtwarenladen. Was vielfach eher herablassend gemeint sein könnte, ist hier als Lob zu verstehen. Erwan Castex (aka Rone) präsentiert eine ungemein vielfältige Platte, die aber dennoch harmonisch und homogen anzuhören ist. In der Tat erklingt “Creatures” eher wie ein gutes Mixtape.

Da im Folgenden manches eher negativ klingen mag, sei zuvorderst festgestellt, dass “Creatures” ein sehr gutes Album ist – zumindest rein subjektiv. Es fehlen unter Umständen jene Momente, die einen vollkommen wegpusten oder die das Eigene Rones belegen und teilweise mögen augenblickliche Deja-Vus zu dominant werden, aber am Ende gelingt es Rone, über die Dauer der zwölf Stücke zu fesseln.

Rones Electronica auf “Creatures” zehrt aus sehr vielen und sehr verschiedenen Quellen. Da finden sich ebenso zeitgenössische Trap-Elemente wie typische Stilmuster des Postdubstep. Stellen gemahnen an 1990er-Jahre-BigBeat, an klassische HipHop-Beats oder aber auch an Warp’sche Klänge. Neben ambiente Brian-Eno-Momente gesellt sich “Klassik-Electronica” im Stile seiner Labelgenossen von Aufgang.

Bösartig rezipiert wäre “Creatures” also irgendetwas zwischen derivativ und eklektisch. Positiv wahrgenommen ist die Platte eine ungemein unterhaltende, kreative und weitgehend entspannte Reise durch die Welt der Electronica.

Zur Qualität der Platte tragen nicht zuletzt auch die zahlreichen Gäste bei, die immer nicht bloße Dreingabe sind, sondern essentielle Teile zum Gelingen und Charakter der Stücke beisteuern. Da sind einerseits die Gesangsbeiträge von Sea Oleena und Etienne Daho oder auch die Mitarbeit von Labelkollege Bachar Mar-Khalifé. Wichtiger aber und prägender erscheint das Mitwirken von Künstlern wie zum Beispiel Bryce Dessner (von The National), Toshinori Kondo und Gaspar Claus. Dessner ist auf “Creatures” ein wiederkehrender Charakter, dessen Gitarre und dessen Wirken sich durch die ganze Platte zieht. Kondos Trompete wiederum verleiht “Acid Reflux” seine besondere ambiente Tiefe und schlägt eine Brücke zum Jazz, wogegen Gaspar Claus’ Cello aus “Freaks” einen der Höhepunkte der Platte macht. Das Mitwirken Dessners, Claus’ und Kondos zeigt auch, wo das originäre Rone’sche sich auf “Creatures” versteckt, das oben im Nebensatz angezweifelt wurde. Es besteht in diesem Zusammenspiel von Electronica und Live-Instrumentalisten, insbesondere von Instrumentalisten, die im Zusammenhang elektronischer Musik eher selten zu hören sind.

So mag denn “Creatures” ein Sammelsurium der Stilrichtungen sein, es entsteht dennoch eine kontinuierliche Faszination und eine Neugier auf das, was hinter der nächsten Weggabelung kommen mag. “Creatures” mag kein Meisterwerk sein, auf das man noch in Jahren wissend zurückweist, es ist aber ein Album, das man auch noch in Jahren gerne hören wird und in ihm versinken kann.