Kitty, Daisy & Lewis // The Third

War es das dritte Album, das traditionell entschied, ob Musikschaffende langfristig Erfolg haben? Wenn ja, so sind die drei Geschwister Kitty, Daisy und Lewis Durham jetzt an diesem Punkt angekommen. Natürlich stellt sich selbst bei ihrer anachronistischen Musik die Frage, ob die alten Regeln des Musikgeschäfts überhaupft noch gelten. Allerdings ist ihnen Erfolg gerüchteweise egal. Viele Platten zu verkaufen, sei nett, aber auch ohne dies würden sie halt zuhause zum Spaß musizieren.

Inzwischen zwischen 22 und 26 Jahre alt, machen die drei nunmehr seit gut zehn Jahren mehr oder weniger professionell Musik. Ein eigenes Studio und die entsprechende Ausrüstung haben nach Eigenauskunft das Songwriting ebenso beeinflusst wie die Live-Auftritte. Insbesondere sollen die Songs ihres dritten, “The Third” betitelten Albums noch mehr ihrer persönlichen musikalischen Einflüsse enthalten.

Tatsächlich erklingt die Platte als eine sehr harmonisch zusammengestellte rückwärtsschreitende Sammlung, deren Inspirationen überall zwischen Rhythm’n’Blues, Psychedelic, Rockabilly, Rock’n’Roll, Soul und Funk liegen, aber auch den Ska kennen. Die Stärke des Albums, vielleicht für manche aber auch eine Schwäche, liegt darin, dass die drei sich nicht auf Effekthascherei verlagern, sondern auf gute Songs konzentrieren. Sie versuchen, nicht die Höhepunkte der einzelnen Stile zu kopieren und daraus den einfachen und billigen, alle Reize direkt ansprechenden Hit zu machen. Stattdessen schreiben sie eigenständige und originäre Lieder, die zwar von den Einflüssen zehren, sie aber nicht parasitär aussaugen. Allerdings fehlt es auch nicht an Hits. Das bluesig rockende “It Ain’t Your business”, das Ska-infizierte “Turkish Delight” und der klassische R’n’R “Good Looking Women” sind drei offenkundige Beispiele.

Natürlich ist auch das dritte Album von Kitty, Daisy & Lewis pure Retro-Musik. Die drei Geschwister leben in ihrem eigenen musikalischen Schaffen weiterhin vollkommen in der Vergangenheit. Zudem machen sie mit ihrer Musik einfach nur das, was ihnen selber Spaß macht. Insofern ist “The Third” für all jene perfekt, die genau an dieser retrograden Musik ihr Vergnügen finden. Aber diese Nische sollte groß genug sein, um den Durhams zu ermöglichen, weiter die Leidenschaft zum Beruf zu machen.