Cäthe // Vagabund

Manche Musik passt ebenso in den ZDF-Fernsehgarten wie aufs Haldern Pop. Manche Künstlerinnen sprengen mit ihrer Musik Zielgruppengrenzen, wenn auch vielleicht nicht Genregrenzen. Cäthe ist eine dieser Musikschaffenden. Schon das Debüt landete 2011 in den Charts, und hörte man ausreichend Radio, konnte man spätestens 2013 zum Nachfolger nicht daran vorbeikommen, sie und ihre Single “Tabula Rasa” wahrzunehmen.

Auch ihr drittes Album “Vagabund” präsentiert Cäthe in all ihren Qualitäten als Musikerin für so ziemlich jeden. Zwischen Deutschrock, Deutschpop und Deutschblues erklingt die Platte handgemacht und stilistisch vielfältig. Als Alleinstellungsmerkmal steht Cäthes Stimme selbstverständlich immer im Zentrum der Songs, darum aber ranken sich perfekt produzierte Popnummern, die mal eher an Surf-Bossa erinnern, mal rockend voranschreiten, mal einfach typischer Deutschpop sind. So gut anzuhören das ist, so wenig überrascht es doch. Das Meiste hat man so im Deutschpop der letzten zehn bis zwanzig Jahre schon mal gehört – nur halt nicht mit Cäthes Gesang. Aber man hat auch ihre Texte so nicht gehört, die zwischen persönlich und allgemein ansprechend wechseln. Es sind Texte, die immer eine Phrase haben, die hängenbleibt, die häufig mitgesungen werden will und einlädt zu sagen: “So ist es.”

Eine Stärke des Albums ist, dass eine jede und ein jeder und alle anderen auch zumindest ein ganz klein wenig zur Zielgruppe gehört. Es ist aber insofern auch eine Schwäche, dass die Stücke weder das perfekt Poppige, das Ohrwurm-garantierende (kommerziell gedacht) Hitpotential haben, noch die nötigen Haken und Kanten besitzen, um zu überraschen, um gespannt zu fesseln. Wenig zwingt die Hörer hier zu sagen: “Das muss ich haben.„ Es ist weder Musik, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt und auch gar nicht bekommen möchte, noch sind es Songs, die zum immer-wieder-Erkunden einladen.

“Vagabund” ist einfach Popmusik, gute Popmusik. Cäthes drittes Album ist gut anzuhören und dank ihrer Stimme zumindest ein kleines bisschen eigen. Für alles andere, für die Hits wie für den Anspruch, hört man woanders hin.