Maximilian Hecker // Spellbound Scenes of My Cure

Glaubt man Maximilian Heckers Text zu seinem neuen Album “Spellbound Scenes of My Cure”, so wettstreiten er und Rachael Yamagata, wer das unglücklichste, “the most miserable” Wesen sei. Wie auch manch anderer Teil seiner Beschreibung der Albumentstehung ließe sich dies böswillig und spöttisch lesen: Der halbwegs berühmte und mehr oder weniger in Fernost und Europa erfolgreiche Künstler leidet an sich selbst, an der Welt und möchte auch mit seinem, daher dem Anschein nach unangebrachten, Leiden im Mittelpunkt stehen. Wie schon der Vorgänger “I Am Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Again Son” ist der Anteil an Selbsttherapie auch bei dieser verzauberten Heilung hoch. Aber ist dies ein Mangel?

“Spellbound Scenes” beinhaltet Lieder über acht Orte, über neun Vorkommnisse: Peking, Seoul, Taipeh, Hongkong, zwei Gebäude in Tokio, New York, Henningsdorf und zweimal Kastrup. Hecker leidet an der Liebe, an den Frauen, oder vielleicht eher an seiner eigenen Unfähigkeit, mit ihnen und seiner Liebe umzugehen. “… du hast sie alle, und du hast keinen, Ficken und Booze und Frauen und Ruhm und ein Herz aus Stein” schreibt er bezogen auf das Stück “Gangnam Misery” und Ereignisse im Rahmen des Seoul Jazz Festival 2013. Wer Heckers Buch gelesen hat, den dürfte dies nicht überraschen, für uns andere mag es schwer sein, Leiden und Größenwahn, egozentrischen (Künstler-)Arsch und die Melancholie von dir und mir, (Selbst-)Ironie und Ernst zu trennen.

Musikalisch ist “Spellbound Scenes” wohl vor allem das, was von Hecker erwartet wird: melancholische Songs ohne große offenkundige Höhen und Tiefen, die aber am Ende dann doch Gänsehaut-Momente haben. Hecker bannt auditive Schönheit für die Stunden der Einsamkeit, aber auch für die der Schönheit. Das Leiden des (nicht mehr ganz so) jungen H. – und seine Offenheit – endet in am Rande des Kitsch balancierenden und doch einfach schönen Songs. Im Unvermögen und Verweigern des emotionalen Erwachsenwerdens mag Hecker typisch sein für einen bestimmten Typus der Ende der 1970er, Anfang der 1980er Geborenen. Vielleicht erklärt das, wieso diese potentiellen Schnulzen so gut funktionieren.

“Spellbound Scenes” ist ein ruhiges Album, eines, das ins Ohr tröpfelt und sich dennoch festzusetzen vermag. Allerdings wirkt es teilweise schon, als greife Hecker auf Rezepte zurück, die bereits früher erfolgreich waren, wobei auch das kein Mangel ist. Maximilian Heckers Album kann man vermutlich immer wieder und vielleicht auch ganz unbewusst auspacken, es genießen, und hinterher verwundert fragen, wieso das jetzt so gut tat.