CeeLo Green // Heart Blanche

Wer dem amerikanischen HipHop der mittleren und späten 1990er Jahre nicht aufmerksam gefolgt ist, und das dürfte die Mehrzahl sein, dem wird CeeLo Green vor allem als Sänger von Gnarls Barkley ein Begriff sein. Sein musikalischer Ursprung in Atlantas Goodie Mob geht dabei gerne unter. Auch wenn das kollektive Gedächtnis damit ihm gegenüber ein bisschen unfair ist, sichern die Hits von Gnarls Barkley seinen Solo-Alben eine höhere Aufmerksamkeit diesseits des Atlantiks.

Nun erscheint also “Heart Blanche”, und es ist wenig überraschend eine Platte voller Pop, der auf die Bestenlisten zielt. Ihr größter Pluspunkt ist erwartungsgemäß CeeLos Stimme, deren Einzigartigkeit so ziemlich jedes Lied erträglich machen könnte. So negativ das klingen mag, “Heart Blanche” ist kein schlechtes Album. Richtig gut ist die Platte aber auch nicht.

Auf 15 Stücken wechselt Green hier unter anderem zwischen fast generisch nach dem Jahr 2015 klingenden Produktionen, schmierigem Billigkitsch, gutem altem Soul und gutem neuem Soul. Bestimmt wird der Eindruck, den das Album hinterlässt, aber von einer Anzahl von Nummern, die klingen, als seien sie als Hommage an die letzten Tage der Disco-Musik gedacht. CeeLo widmet sich oder räubert in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren, als Disco-Funk und Disco-Soul sich langsam in neonfarbenen Achtziger-Pop-Kitsch verwandelten. Das mag sich abschreckend lesen, aber das Ergebnis ist tatsächlich so unterhaltend, dass es über ein rein schamhaftes Vergnügen deutlich hinausgeht. Dennoch erfreut es, wenn Grenn sich zwischenzeitlich immer mal wieder einem Soul widmet, der seine Stimme mehr scheinen lässt und außerdem Gnarls Barkley näher ist als The Weather Girls. Andererseits ist “CeeLo Green sings The Blues” so selbstbezogen und schmierig, dass es sich lohnt, es von vornherein zu überspringen. Auch die Versuche, zeitgemäß 2015 zu klingen, indem die Produktion Anklänge an Felix Jaehn und Freunde aufgreift, sind nicht unbedingt Höhepunkte auf “Heart Blanche”, sprechen aber vermutlich das Radiopublikum an.

Schlussendlich macht “Heart Blanche” besonders Spaß, wenn man sich auf die zaunpfahlartigen “Last Days of Disco”-Bezüge konzentriert und das Gehirn ausschaltet. Dann allerdings ist es wirklich unterhaltsam.