Pumeza Matshikiza – Voice Of Hope

Klassische Musik, klassische Herangehensweisen an Musik haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung für Hörer populärer Musik gewonnen. Vor allem Künstler aus den Bereichen des Postrock und Elektro vermochten den Eindruck einer Kluft zwischen Pop und Klassik zu beseitigen, beziehungsweise waren es Künstler, die neben Klassik eben auch ein Interesse an Elektronik und Postrock hatten. Dennoch besteht weiterhin ein genereller Unterschied in den Zielgruppen. Eine Plattenfirma wie die Deutsche Grammophon wird eine Kampagne für ein Daniel-Hope-Album anders gestalten als für Bryce Dessners diesjährige CD.

Bereiche der klassischen Musik, die von einer Vermengung wenig profitiert haben dürften, sind die des klassischen Lied- und des Operngesangs. Auch wenn das Singen in einem Chor populär ist und der technische Anspruch außer Zweifel steht, empfindet mancher beim Hören einer Opern-Arie den Gesang unter Umständen als gekünstelt, als übertrieben, vielleicht sogar unästhetisch.

Es ist unklar, ob die hier zu besprechende Platte diese Menschen umstimmen könnte. Wenn man sich allerdings dem positiven Effekt des klassischen Gesangs generell nicht entziehen kann, ist die Debüt-CD von Pumeza Matshikiza, oder einfach nur Pumeza, etwas Besonderes. Die in Südafrika geborene und derzeit an der Staatsoper Stuttgart beschäftigte Sopranistin präsentiert auf “Voice Of Hope” eine eklektische Mischung von Opern-Arien und im weitesten Sinne Weltmusik. Letztere Stücke beinhalten sowohl afrikanische Traditionals als auch Stücke, die durch Miriam Makeba populär wurden.

Wo diese Mischung ungewöhnlich ist, wird sie durch Puzemas Vortrag außergewöhnlich. In aller artifizieller, technischer Perfektion des Vortrags erfüllt Puzema die Stücke mit einer Leichtigkeit, die für das Genre unüblich ist. Schon die Eröffnung der ursprünglichen Version der Platte durch das traditionelle Lullaby “Thula Baba (Hush, My Baby)” nimmt den Hörer gefangen, umschließt ihn, hat einen quasi-regressiven Effekt. Von da an ist es egal, ob Puzema Puccinis “O Mio Babbino Caro” vorträgt und einen im tiefsten Inneren erschaudern lässt vor Wohlgefühl, oder ob sie Mackay Davashes Liebeslied “Lakutshon’Ilanga” singt; die Stücke überzeugen, in all ihrer Vielschichtigkeit, in ihrer Besonderheit.

Puzemas “Voice of Hope” mag nicht unbedingt Opernhasser zu glühenden Fans machen, aber es ist in jedem Fall ein Gewinn, dieser Platte eine Chance zu geben. Andererseits können diese 18 Stücke zwischen “The Click Song”, “Saduva”, Mozarts “Vedrai, carino” und “Nkosi Sikelel’ iAfrika” so begeistern, dass “Voice Of Hope” fast zum Album des Jahres wird.