La Sera – Hour Of The Dawn

Selten passt ein Cover so gut zu der Platte, die es bewerben soll, wie bei Katy Goodmans drittem Album als La Sera. “Hour Of The Dawn” hält all die Versprechen ein, die Goodmans Tanz auf dem Cover macht: euphorisch wohlklingender, vielleicht auch latent manischer Powerpop und doch auch introspektiv melancholisch.

Laut Goodman sollte “Hour Of The Dawn” nicht ein weiteres trauriges Album von ihr allein sein, sie wollte Spaß haben. Sie wollte die Energie ihrer neuen Bandzusammenstellung auf Platte bringen, ein Anliegen, das ihr unzweifelhaft gelingt. Auch wenn ihr drittes La-Sera-Album all die Qualitäten der Vorgänger besitzt, hat sich nicht nur der Lärm-Anteil erhöht. Tatsächlich stürmt die Band hier nicht selten geradezu aggressiv durch die weiterhin bezaubernden Ohrwurm-Melodien, die nahezu perfekten Arrangements. Während die Vergangenheit nicht abgelegt ist, sondern immer noch leicht melancholisch mitschwingt, schaut dies Album doch unzweifelhaft und ohne Reue nach vorne. Es signalisiert einen Aufbruch, die Freude auf die Möglichkeiten, die vor einem liegen, und nicht die unveränderlichen Verluste hinter einem. Dieser Beginn eines neuen Tages erscheint wie die vertonte Aussage, man solle sich wegen verschütteter Milch nicht grämen.

“Hour Of The Dawn” ist eines der seltenen Alben, die wirklich keinerlei Schwachpunkt zeigen. Umso schwerer fällt es hier, Höhepunkte auszumachen. Mit jedem Hören überzeugen andere Stücke in besonderem Maße. Die Verbindung von Lärm und Wohlklang wird im eröffnenden “Losing To The Dark” besonders betont, das den Hörer somit sofort von dieser Platte überzeugt. Andererseits ist da das 1960er-Jahre-orientierte Americana-Stück “Summer Of Love”, und natürlich darf das traurig-manische “All My Love Is For You” nicht vergessen werden. Musikalisch und vom Arrangement am anspruchsvollsten ist sicherlich “Kiss This Town Away”, aber dann ist da ja auch noch der Harmoniegesang in “10 Headed Goat Wizard”.

Goodman und ihre Mitstreiter erfinden hier sicher nicht die Musik neu. “Hour Of The Dawn” steht in einer langen Tradition von Powerpop-Platten, die zurückreicht bis zu The Who und den Beach Boys. Am meisten erinnert die Platte stilistich und in ihrem ungebremsten Charakter aber an Ashs “1977”. Bösartige Menschen würden die Platte als Anachronismus bezeichnen, alle anderen genießen die ungestüme Rotzigkeit, die perfekte Verbindung von klingender Neugier auf die Zukunft und melancholischem Realismus und nehmen sich die verströmte Lebensfreude als Beispiel.