FKA twigs – LP1

Tahliah Barnett aka FKA twigs (oder auch “Formerly Known As” twigs) mag R’n’B nicht besonders. Allerdings fällt es schwer, ihre “LP1” nicht unter R’n’B-Gesichtspunkten zu betrachten – alternativ müsste man die britische Bass-Musik bemühen. Insofern ist es auch sehr leicht, Barnett als weibliches Pendant zu James Blake zu sehen. Allerdings würde dies ihrer Musik nicht gerecht. So wurde auch aus anderen Gründen Anfang des Jahres im éclat-Forum überlegt, ob sie einen ähnlichen Erfolg haben könnte wie Blake.

twigs‘ Musik ruft in den einschlägigen Medien vielfältige Vergleiche hervor. Neben Sade, Ciara, Aaliyah, Portishead, Massive Attack, D’Angelo, Kate Bush, How To Dress Well und eben James Blake sei hier ein weiterer Name eingeführt, Madonna. Wie üblich führen solche Vergleiche und Schubladen nicht viel weiter. Sie verdeutlichen aber in ihrer Vielfalt von Soul über klassischen R’n’B zu Alternative R’n’B und von Postdubstep über Trip Hop bis Pop, wie schwer Barnetts Musik zu fassen ist. Über gebrochene, elektronische Beats singt sie zumeist mit vordergründig durchaus R’n’B-inspiriertem Falsett. Beats und Falsett sind vielfach schon alle Bestandteile der Songs auf “LP1”. Gelegentlich gesellen sich noch sphärische Synth-Linien hinzu. Diese Synthesizer-Elemente führen die eigentlich reduzierten Songs in Madonna-eske oder Aaliyah-eske Bahnen. Barnett und ihre Mitproduzenten (unter anderem Paul Epworth) sprechen so sofort den kulturellen Rucksack des Hörers an. Das kann sich positiv oder negativ auswirken.

Auch wenn sich twigs gegen einfache R’n’B- und Trip-Hop-Vergleiche verwehrt, sind diese neben einer ausgeprägten Pop-Affinität doch die offensichtlichen Anknüpfungspunkte. Barnetts Gesang, reduzierte Broken Beats und effektive, wenn auch eher minimalistische Instrumentierung machen aus “LP1” ein Album, das je nach Sichtweise in seiner Vielfältigkeit fasziniert oder in gleichbleibender Stimmung und Tempo langweilt. Bei allem Gefallen an den Stücken und dem Album macht die Platte auf Dauer einen spröden Eindruck. Glücklicherweise wird dies aber immer wieder durch einzelne begeisternde Momente aufgefangen.

FKA twigs präsentiert auf “LP1” ihre Version von Pop, alternativ ließe sich von geschwindigkeits-reduziertem Slowstep schreiben, der sicherlich im Jahr 2014 mit zu den interessantesten musikalischen Entwicklungen gehört. In der generellen Homogenität der Stücke versäumt es Tahliah Barnett aber, den Hörer wirklich in ihren Bann zu schlagen.