Sylvan Esso – Sylvan Esso

Amelia Meath und Nick Sanborn, aka Sylvan Esso, sind keine Neulinge im Musikgeschäft. Schon bei Mountain Man bzw. Megafaun haben beide die Folk-Gemeinde für sich eingenommen. Insofern kann es nicht überraschen, wie routiniert sie ihr gemeinsames Duo-Projekt “Sylvan Esso” auf dessen selbstbetiteltem Debüt inszenieren.

Damit sind wir aber auch schon beim Kern des Problems, das dieses vor Folk-Electro-Schönheit strotzende Album hat. Es ist schön und routiniert. Hier passt einfach alles zusammen, ergibt sich selbstverständlich aus den vorhergehenden Takten und bleibt so überhaupt nicht hängen. Folk und Electro verbinden sich hier zu perfektem und vor allem sehr glattem Pop. “Sylvan Esso” plätschert am Ohr vorbei. Hinzu kommt, dass nicht wenige der Stücke klingen, als höre man neue Tracks von Feist. Allerdings würden diese wahrscheinlich mehr in Erinnerung bleiben. Wenn die Plattenfirma den “Ohrwurmalarm” ausruft, ist das grundfalsch. In all seiner Nettigkeit taugt hier wenig zum Ohrwurm. Man erkennt die Stücke vielleicht schnell wieder, aber es fehlt ihnen jede Penetranz.

Die Verbindung aus Sanborns Beats, Bass und elektronischem Knarzen sowie Meaths glasklarem Gesang ist natürlich erstmal eine gute Idee. Sowohl die Produktion als auch die Vocals sind reizvoll. Doch weder der eine noch die andere scheinen sich zu trauen, wirklich Grenzen auszutesten, neue Wege zu gehen. Wie schon SOHN vor ihnen präsentieren Sylvan Esso eine Synthese aus altbekannten und radio-tauglichen Electro-Elementen und auffallendem Gesang, um eine sehr homogene Platte zu schaffen. “Sylvan Esso” ist eine unspektakuläre Platte, deren zurückgenommene Inszenierung auf Dauer an Langeweile grenzen kann. Das ändert nichts daran, dass die Songs auf keinen Fall schlecht sind. “Hey Mami” ist eine wunderbare Popnummer, die nicht nur klar von Feist inspiriert ist, sondern sogar klingt wie Feist auf Bass. Auch “Wolf” ist ein wunderbar verspielter Song, bei dem sich Sanborns lockerleichte Beats und Meaths lustvoll versponnener Gesang perfekt ergänzen. Verträumter erklingt dagegen “Coffee” und überzeugt besonders in seiner variablen Melodie- und Beat-Führung. “Play It Right” wiederum könnte sogar im Club funktionieren. Mehr auf den Bass fokussiert lässt sich die latent euphorisierende Wirkung der Nummer nicht verleugnen.

Genau wie SOHNs “Tremors” zwei Monate zuvor ist “Sylvan Esso” vermutlich ein Konsensalbum. Es ist scheinbar so experimentell, um neu zu wirken, und andererseits so melodiös und poppig, um breites Gefallen zu finden. Während die Songs im einzelnen mitreißen und überzeugen mögen, erscheint das Album als Ganzes doch fast dröge.