Eno – Hyde — Someday World

Roxy Musics Brian Eno und Underworlds Karl Hyde produzieren zusammen ein Album – oder, wie wir inzwischen wissen, sogar mindestens zwei Alben. Natürlich ist es falsch, Eno auf Roxy Music zu begrenzen. Eher sollte man ihn auf sich selbst beziehen, so aktiv ist er nicht nur als Produzent und Kollaborateur von unter anderem Coldplay und U2. “Someday World” ist die erste Album-Kollaboration von Eno und Hyde. “High Life”, das zweite Album der beiden, soll Ende Juni 2014 erscheinen. Entstanden ist die Zusammenarbeit wohl aus gemeinsamen Vorlieben beider Musiker. Subjektiv wird der Eindruck von “Someday World” bestimmt durch Karl Hydes Vocals. Somit ist es wohl vor allem interessant für die Underworld-Fans, nicht zuletzt, da es Momente gibt, bei denen man ungewollt an Underworlds “Second Toughest in the Infants”-Ära erinnert wird.

Es gibt nicht viel Überraschendes an diesem Album, außer wie blechern und billig die Produktion immer wieder wirkt. Allerdings erstaunt auch, wie gespalten die Rezeption der Platte bisher ist. Von Meisterwerk (Plattentests) bis Ramschniveau (Fact) ist alles dabei. Begeisterung wie Enttäuschung mögen beide der zugrundeliegenden Haltung des Hörers entspringen. Wer ein Meisterwerk erwartet, wird enttäuscht, wer sich nach Enos Coldplay-Produktionen nur auf das Schlimmste einstellt, wird positiv überrascht oder gar begeistert.

Sieht man über erwähnte stumpfe Produktion hinweg, findet sich viel Angenehmes auf “Someday World”. Tatsächlich ist die Platte vor allem reiner Pop. Die Vorabstücke “Satellites” und “Daddy’s Car” bezeugten eine erstaunliche Radiotauglichkeit. Dies ist zwar eine Finte, da der Rest des Albums nicht ganz diese allgemeingültige Eingängigkeit besitzt, aber auch ansonsten überzeugen die Stücke in ihrer Mischung aus positiver Gefälligkeit und rhythmischer Akzentuierung, in der Verbindung aus Popmitteln und Strukturen des Elektronischen zwischen Techno und House, aber auch Synthpop. Sänge Karl Hyde bei New Order, klänge es vielleicht ähnlich. Aus repetitiven Strukturen, kreisenden, elliptischen und spiralenden Rhythmen und Melodien entwickeln sich großartige Songs, die beim ersten Hören mal mehr, mal weniger sperrig wirken, mal wohlklingender, mal kakophonischer daherkommen.

Am Ende ließe sich schreiben, es sei also alles wie bei Underworld. Der größte Unterschied könnte die klare Ausrichtung auf eine erhöhte Zugänglichkeit sein. Dies führt dann auf Dauer tatsächlich zu Momenten, bei denen man denkt, gleich höre man einen U2- oder Coldplay-Song. Auch wenn dies negativ gelesen werden kann, heißt es vor allem, dass sich eine interessante Dissonanz in der Wahrnehmung auftut – und dass Brian Eno einen zwar schwer dingfest zu machenden, aber doch sehr großen Einfluss auf den Klang dieses Albums hat. Der erste Eindruck der Platte mag sperrig sein, der zweite billig, auf Dauer jedoch überzeugt Eno/Hydes “Someday World” auf ganzer Linie – als interessante, als tiefe Platte. Auf einer Skala zwischen Ramsch und Meisterwerk tendiert der Zeiger eher zum positiven Ende.