Plastikman – Ex

Minimal Techno zählt nicht unbedingt zu den Kernfeldern hier bei éclat, so ist denn auch unsere letzte Rezension aus diesem Genre um die vier Jahre alt. Andererseits ist “Ex” auch das erste Album von Richie Hawtin als Plastikman mit neuem Material in mehr als zehn Jahren. Hawtin ist als M_nus-Label-Chef nicht zuletzt auch einer der Fokalpunkte der Szene, so dass Erwartungen für ein neues Plastikman-Album natürlich in die Höhe schießen.

Die Tracks auf “Ex” schrieb Hawtin für eine spezielle Performance im Guggenheim-Museum in New York, wo sie auch aufgenommen wurden. Der Performance-Charakter ist dem Album deutlich anzumerken, und es erscheint sinnvoller, das Album in Gänze als ein Werk wahrzunehmen denn die sieben Tracks einzeln zu bewerten. Dies bedeutet hier aber auch, zugestehen zu müssen, dass “Ex” ebenso sehr als Kunst zu sehen ist wie als Popmusik – was Techno in letzter Konsequenz immer noch ist.

“Ex” ist als solches kein unbestreitbares Meisterwerk. Hier überrascht wenig, und neue Erkenntnisse über Minimal Techno offenbaren sich auch nicht. Nichtsdestotrotz ist es eine gute und durchaus auch faszinierende Platte. Dies liegt zum einen an der kontinuierlichen Inszenierung, die von sehr stillen reduzierten, Fehlermeldungs-gleichen Klängen zu repetitiv motorischen Beats führt, um dann in durchaus ekstatischen Momenten ihren Höhepunkt zu finden und am Ende ausatmend zu vergehen. Zum anderen ist Hawtins Minimal Techno hier in weiten Strecken tatsächlich minimal. Die einzelnen digitalen Klangelemente sind eindeutig identifizierbar und für Takte am Stück nutzt er nur ein oder zwei verschiedene. So taugt “Ex” in jedem Fall als Lehrstück in Minimal-Produktion, jedoch schafft Hawtins Produktion es kaum überraschend zudem, die Spannung kontinuierlich hoch zu halten und den Hörer zu fesseln.

Wer nach zehn Jahren von einem neuen Plastikman-Album die Neuerfindung des Minimal Techno erwartet, dürfte von “Ex” enttäuscht werden. Ansonsten aber funktioniert die Platte ebenso als Autofahrbegleitung, wie um sich unter Kopfhörern in ihrer Kontinuität vollkommen zu verlieren.