Illum Sphere – Ghosts of Then and Now

Illum Spheres Remix von Radioheads “Codex” war eines der Highlights der “The King Of Limbs”-Remix-Compilation. Nicht nur dies weckte Erwartungen. Sein Debütalbum veröffentlicht Illum Sphere (mit bürgerlichem Namen Ryan Hunn) nun auf Ninja Tune. Tatsächlich erscheint der Klang von “Ghosts Of Then And Now” wie der urtypische Ninja-Tune-Sound, wenn man denn einen Trademark-Sound des Labels definieren müsste – oder könnte. Und genau das ist das Problem.

Hunn präsentiert auf “Ghosts” einen Querschnitt durch alles, was man vereinfacht als UK-geprägte, elektronische Tanzmusik bezeichnen könnte. Von R’n’B-inspirierten Tracks der Marke 2-Step über eher Chillout-orientierte Stücke und klassischen Dancefloor Jazz bis hin zu Breakbeats und Dubstep-Nummern lässt der Produzent hier kaum etwas aus. Das lässt sich alles sehr gut anhören, und so gut wie gar nichts bleibt in Erinnerung. Böse formuliert, könnte “Ghosts” als Soundtrack bei H&M im Hintergrund laufen und würde niemanden stören, aber auch kaum jemand würde vermutlich nachfragen, was das denn sei.

Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: “Ghosts Of Then And Now” ist eine mehr als einfach nur solide Platte; es ist ein wirklich gutes Album. Illum Sphere präsentiert dreizehn Stücke, die technisch perfekt sind und die jeder einzeln im Grunde durchaus überzeugen können. Vermutlich wären viele Künstler froh, eine dieser Nummern produziert zu haben. In ihrer Gänze aber wirkt die Platte dennoch seltsam farblos.

Illum Sphere präsentiert sich hier als ungemein talentierter und vielseitiger Produzent, was fehlt sind jedoch ein Alleinstellungsmerkmal sowie eine klare eigene Handschrift. Mag sein, dass sich “Ghosts” im Laufe des Jahres zu einer unverzichtbaren Platte entwickelt, gerade weil es an Eigenständigkeit zu mangeln scheint, gerade weil sie eben gut im Hintergrund funktioniert. Bisher aber kann Illum Spheres Debüt trotz der atmosphärisch dichten Intro- und Outro-Nummern “Liquesce” und “Embryonic”, dem dystopischen “Sleeprunner”, dem reduziert tanzbaren “The Road” oder dem jazzigen “Near The End” nicht vollkommen überzeugen.