Marissa Nadler – July

Zweistellige Minusgrade vor der Tür und Marissa Nadler präsentiert ein Album namens “July”. Eigentlich verströmt wenig auf Nadlers nunmehr siebtem Album einen sommerlichen Charakter, zumindest nicht im klassischen Sinn. Das Juli-eske an “July” ist der Zustand einer Erschöpfung, einer von erdrückender Schwüle verursachten Bewegungslosigkeit.

Wer Überraschungen erwartet, wird enttäuscht werden. Dies ist Marissa Nadler, wie der Hörer sie kennt und mag. Nadlers Sopran steht im Zentrum und die Instrumentierung ist dezentes Beiwerk, minimalistisch eingesetzter, schmückender Zucker, der hilft, die Stimme richtig in Szene zu setzen. Unauffällig sorgt die Produktion dafür, dass der Hörer bezirzt dahinsinkt.

Vielleicht ist “July” in der erwähnten Erschöpfung noch einmal dunkler als Nadlers vergangene Platten, und unter Umständen ist hierfür Produzent Randall Dunn verantwortlich, der ansonsten auch schon für Earth, Sunn O))), oder Wolves in the Throne Room tätig war. Wenn dies der Fall ist, ist diese Änderung jedoch minimal und beeinflusst nicht die Intensität der Nadler’schen Musik. Der Hörer ist gebannt, und es bedarf körperlicher Anstrengung, sich loszureißen.

Wenn wir das Bild der hochsommerlichen Schwüle aufgreifen, so erzeugt “July” das Gefühl, an der Schwere der Atmosphäre, der Intensität der Hitze zu zerbrechen. Stücke wie “Was It A Dream” und “I’ve Got Your Name” vermögen eine extreme Anspannung zu erzeugen, die psychisch belastet und physisch ermüdet. Auch wenn diese Intensität gegen Ende des Albums kontinuierlich gelockert wird, fehlt es dem Album doch an dem einen großen, reinigenden Moment. Selbst das abschließende “Nothing In My Heart” verweigert in all seiner vordergründigen Leichtfüßigkeit diese Erlösung des Hörers. So bleibt dieser auch nach dem letzten Ton gefangen in der Erwartung des großen befreienden Gewitters.

Auch auf “July” vermag es Marissa Nadler dank ihrer Stimme, den Hörer vollkommen gefangen zu nehmen. Mehr noch als zuvor aber verweigert sie es, einfach nur zu gefallen. Wohlklang mag der zentrale Kern ihrer Musik sein, immer wichtiger wird ihr jedoch offenbar, dem Hörer die Stimmung ihrer Stücke, ihre Stimmung zu vermitteln, ihn diese Emotionen quasi körperlich spüren zu lassen. Dies macht “July” dann doch noch besonders im Vergleich zu früheren Alben.