Kai Schumacher – Transcriptions

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Wenn man hört, jemand habe ein Album mit Klavier-Transkriptionen von Songs wie “Killing In The Name”, “Black Hole Sun”, “Lithium” oder “Out Of Space” produziert, fragt man sich erst mal die Urfrage: Wer braucht das? Am Ende heißt die Antwort darauf natürlich immer, “Niemand”. Erstaunlich gut unterhalten tun Kai Schumachers “Transcriptions” aber dennoch.

Rage Against The Machine, Foo Fighters, Soundgarden, System Of A Down, Muse, Portishead, Slayer, Megadeth, Nirvana, The Prodigy, Songs all dieser Künstler wurden von Schumacher in Klavierversionen umgeschrieben. Dabei werden die Stücke an manchen Stellen stark verändert, an anderer erkennt man die Motive und das Songwriting der Originale deutlich. Manchmal ist diese fehlende Veränderung ärgerlich, gelegentlich aber auch durchaus beruhigend. Fans der Originale werden vermutlich klar in zwei Lager gespalten sein, hassen oder bewundern.

Ein vordergründig einfaches Objekt für eine Klavierbearbeitug ist “Uno” von Muse, da die Band oder zumindest Matthew Bellamy bekannterweise eine gewisse Vorliebe für die Romantik hat. So mag Schumachers Version in gewissem Sinn als Verbindung zwischen Muse und den Vorbildern gesehen werden. Schwieriger erscheint die Umwandlung bei Portisheads “Hummingbird”, der im Original durchaus als eines der Markenzeichen der Band und ihres Debüts “Dummy” gesehen werden muss. Da das Original so unverkennbar und vor allem in seiner Produktion eigen ist, erscheint die Klavier-Version fast wie ein ganz anderes Stück Musik.

Dennoch hängt die Wahrnehmung der Transkriptionen wahrscheinlich insgesamt vor allem davon ab, wie vertraut man mit den Originalen ist. So ist die Melodie von Slayers “Seasons In The Abyss” sofort erkennbar und die Motive der eingangs erwähnten Stücke sind einfach viel zu dominant, um sie nicht zu erkennen. Schumacher setzt diese Motive in “Killing In The Name” und auch das Stück insgesamt relativ originalgetreu um. Er ergänzt es nur um einige Jazz-orientierte Improvisationen. Das Motiv wird auch in “Out Of Space” beibehalten, darum herum gibt Schumacher sich aber alle Mühe, das Stück – nicht nur fürs Klavier, sondern insgesamt – zu optimieren.

Kai Schumachers “Transcriptions” sind für ihn eine Reise zurück in die Zeit, als MTV die Seele des Klavierstudenten an den Rock’n’Roll verkaufte (so das Booklet). Tatsächlich kann man sich durchaus fragen, ob das nicht alles doch ein wenig kitschig und nostalgisch ist. Im Endeffekt ist es aber einfach viel zu gut gelungen, um daran kleinlich herumzukritteln.